Aktualisiert am 6. Januar 2023

Häufig verpassen wir die goldenen Augenblicke des Lebens. Wenn wir in unsere alltäglichen Gedanken und Sorgen versunken sind, übersehen wir das wirklich Schöne. Oder wir kosten es nicht so aus, wie es möglich wäre.

Achtsamkeit öffnet unser Bewusstsein für die schönen und erhebenden Momente des Lebens. Der Psychotherapeut Jake Eagle und der Schmerztherapeut Michael Amster beschreiben es so:

Wir erleben Schönheit, Dankbarkeit und Großzügigkeit, wenn wir Ehrfurcht erleben. Normalerweise verbinden wir Gefühle von Ehrfurcht mit dem Blick auf eine überwältigende Landschaft oder ein meisterhaftes klassisches Konzert. Du kennst dieses Gefühl auch, wenn du ein religiöser oder spiritueller Mensch bist. Die Erfahrung von Ehrfurcht verringert unsere Angst und nährt unsere Seele.

Jake Eagle, Michael Amster (2020)

Aber wie kann man Ehrfurchtsgefühle in den eigenen vier Wänden finden? Die Lösung liegt in kleinen Dosen der Achtsamkeit.

Achtsamkeit üben im Alltag

Viele Menschen glauben, dass sie nicht die Zeit haben, regelmäßig zu meditieren. Sie glauben, dass Achtsamkeit bedeutet, viel Zeit ausschließlich dafür investieren zu müssen. Innere Ruhe und Achtsamkeit erfordern aber nicht unbedingt eine längere Zeit der Ruhe auf dem Meditationskissen.

Achtsamkeit bedeutet aufmerksam zu sein

Was auch immer du gerade tust – duschen, essen, fahren, im Garten arbeiten, schreiben, E-Mails lesen, mit Kindern spielen, wandern – du kannst dich entscheiden, deine volle Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu richten. Achtsamkeit ist in jedem Augenblick möglich.

Achtsamkeit als bewusster Aufenthalt auf dem Balkon mit Sonne, Pflanzen und aufgehängter Wäsche

Wenn du Dingen Aufmerksamkeit schenkst, die dir wichtig sind, die du wertschätzst oder erstaunlich findest, konzentrierst du deinen Verstand und dein Herz auf etwas, das Ehrfurcht auslösen kann. Mit allen positiven Auswirkungen für Körper und Seele.

Achtsamkeit trainieren durch inneres Verweilen

Nachdem du deine Aufmerksamkeit konzentriert hast, beruhigt sich dein Geist. Wenn du jetzt dabei verweilst – zumindest so lange wie eine volle Einatmung – entsteht möglicherweise ein Zustand der inneren Harmonie in dir.

Die Welt ist voller magischer Dinge, die geduldig darauf warten, dass unsere Sinne schärfer werden“.<span class="su-quote-cite">William Butler Yeats</span>

Achtsamkeit üben durch langsames Ausatmen

Wenn du langsam ausatmest, entspannst du dich. Du spürst, wie sich dein Körper dabei öffnet und das verstärkt die Empfindungen, die du erlebst. Indem du deine Konzentration mit einem Atemmuster verbindest, bei dem dein Ausatmen etwa doppelt so lange dauert wie dein Einatmen, enspannst du dich weiter.

Denn tiefes Ausatmen aktiviert den Nervus Vagus. Er stimuliert das parasympathische Nervensystem: Herzfrequenz und Blutdruck sinken und die Anspannung in den Muskeln lockert sich. Während du langsam ausatmest, zieht sich das Zwerchfell zusammen und das sendet eine Botschaft an das Gehirn, Dopamin auszuschütten. Dadurch wird deine Stimmung verbessert und eine beruhigende Wirkung erzeugt. Dopamin wirkt auch als Schmerzmittel.

Während dies geschieht, wird dein Selbstgefühl weniger dominant, weniger zentral. Anstatt das Gefühl zu haben, dass sich alles um dich dreht, findest du dich als Teil von etwas Größerem wieder. (Warum das für dich wichtig ist, habe ich in meinem Blogartikel Warum unser Selbstbild Nähe erschwert genauer beschrieben.)

Beispiele für Achtsamkeit im Alltag

Erinnerungen kultivieren

Nimm dir ein wenig Zeit, um durch dein Zuhause zu gehen wie durch eine Ausstellung. Betrachte was herumsteht oder an der Wand hängt.

Achtsameit in der Bedeutung dieser Rose von Jericho, die von meinen Eltern stammt.
  • Hast du ein Kunstwerk oder ein Foto, das wertvoll für dich ist?
  • Hast du Skulpturen, Kerzenständer, Spiegel oder Lampen, die eine Geschichte hinter sich haben? Oder eine Decke, ein Kissen, einen Teppich oder eine Vase?

Wenn etwas deine Aufmerksamkeit fesselt, halte inne, verweile und atme langsam ein, während du deine volle Aufmerksamkeit dem widmest, was du gerade betrachtest.

Achte auf seine Eigenschaften, Merkmale und Details.

  • Beschwört es irgendwelche Erinnerungen herauf?
  • Wer hat es dir geschenkt?
  • Was ist mit dir dabei passiert?
  • Wie ist es bei dir zu Hause gelandet?

Während du Gegenstände in deinem Zuhause würdigst, atme langsam aus, entspanne dich und erlaube dir, diesen Moment völlig in dich aufzunehmen.

Achtsam Kochen wie ein Zen-Mönch

Widme der Zubereitung einer Mahlzeit deine ganze Aufmerksamkeit.

  • Achte mit deinen Sinnen auf das Gefühl, das Gewicht jeder Zutat, jedes Utensils, jedes Schubladenzuges.
  • Nimm die Kälte wahr, die auf dich zukommt, wenn du die Kühlschranktür öffnest.
  • Fühle bewusst die Wärme des Herdes.
  • Achte auf alles, was du beim Kochen noch nie zuvor bewusst wahrgenommen hast.
  • Atme bewusst den Duft und das Aroma jeder einzelnen Zutat ein.
mit Achtsamkeit Bohnen wahrnehmen
  • Nimm bewusst wahr, wie du eine Zutat weglegst und nach der nächsten greifst.
  • Achte auf jede Bewegung, die du machst – das Rühren, das Anheben.
  • Richte dein Essen auf deinem Teller an, als ob es ein Geschenk an dich selbst wäre, was es ja auch ist.
  • Setze dich ruhig hin und esse bewusst.
  • Kümmere dich zu jedem Zeitpunkt des Prozesses voll und ganz um das, was du tust: warten, innehalten, voll einatmen und in Ehrfurcht ausatmen.

Duschen mit vollem Bewusstsein

Duschen ist eine gewöhnliche Tätigkeit, die wir fast jeden Tag ausüben. Es ist ein guter Ort für kreatives Denken, aber auch ein großartiger Ort für eine Ehrfurchtserfahrung durch Achtsamkeit.

  • Stelle dich unter den Wasserstrahl und nimm das Gefühl wahr, wie das Wasser auf deinen Körper auftrifft und deine Arme, deinen Kopf, dein Gesicht, deinen Rücken und deinen Nacken stimuliert.
  • Drehe dich um und bleibe Sie bei dem Gefühl, wie das Wasser deine Haut berührt.
  • Spiele Sie mit verschiedenen Temperaturen, von heiß zu warm zu kalt und wieder zurück zu warm.
  • Achte auf das Geräusch des Wassers und die Gerüche von Seife und Shampoo und den sanften Seifenkontakt deiner Hände auf deinem Körper.
  • Wenn eine Empfindung deine Aufmerksamkeit fesselt, atme ein, verweile. Dann atme aus und lasse deine Sinne sich entfalten.

Momente der Ehrfurcht teilen

Eine weitere wunderbare Möglichkeit ist, eigene tiefempfundene Momente der Bewunderung zu teilen und von ähnlichem Erleben anderer Menschen zu lesen. Sprich mit Vertrauten darüber – zuhause oder am Telefon.

Action for Happiness Deutschland bietet eine Gruppe an, in der du deutschsprachig deine Erlebnisse von Ehrfurcht oder Freude teilen kannst.

Das Wunderbare im Gewöhnlichen zu entdecken, ist immer möglich, auch wenn wir unsere Wohnung nicht verlassen können. Alles, was wir tun müssen, ist, unsere Aufmerksamkeit absichtlich zu konzentrieren, ein bisschen zu warten, damit wir diesen Augenblick in uns aufnehmen können, dann auszuatmen und die Bewunderung sich in uns ausbreiten lassen.<span class="su-quote-cite">Jake Eagle, Michael Amster</span>
Mit Achtsamkeit beobachten, wie mein Meerschweinchen im Haus herumsaust.

Und das Teilen von schönen Momenten verdoppelt die positive Wirkung. Es wäre schön für mich, von deinen kleinen Momenten der Achtsamkeit und Schönheit zu hören oder zu lesen.

Wenn du eine Frage hast: schreib mir bitte eine Nachricht.

Quelle

Jake Eagle, Michael Amster | 15. April 2020 https://greatergood.berkeley.edu/article/item/stuck_at_home_how_to_find_awe_beauty_indoors?