Ein weitverbreiteter Irrtum heutzutage ist die Annahme, dass für die Dominanz des Menschen auf unserem Planeten vor allem unsere Fähigkeit zu abstraktem Denken verantwortlich sei. Aus heutiger wissenschaftlicher Sicht geht es bei dem, was uns als Menschen auszeichnet um einen anderen Faktor: unsere Fähigkeit als Menschen sozial zu denken. Wir brauchen für unsere seelische und köperliche Gesundheit befreundete Menschen – tiefe Beziehungen außerhalb und/oder innerhalb der Familie, auf die wir uns verlassen können.

Als ich als alleinerziehende Mutter vor vierzig Jahren nach Frankfurt zog, habe ich Freunde schmerzlich vermisst. Es war schwierig bis unmöglich, erwachsene Menschen nach Feierabend zu treffen. In dieser Zeit wurde spürbar für mich, wie wichtig es ist, echte Freunde zu haben.

Meine Sicht auf die Bedeutung von Freundschaft wurde durch die wissenschaftliche Forschung nachhaltig vertieft.  Freundschaften prägen uns und unser Lebensgefühl weitaus mehr, als viele von uns annehmen. Ich möchte dir einen Einblick gaben in die Forschungsergebnisse aus Psychologie, Neurowissenschaften und Soziologie. 

Worum geht es konkret, wenn wir von echter Freundschaft sprechen?

Echte Freundschaft: eine Definition aus Sicht der Psychologie

Was bedeutet Freundschaft? Seit über 2000 Jahren diskutieren Menschen darüber. Der Psychologe Robin Dunbar fasst es in seinem Buch über Freundschaft drei Merkmale, die echte Freundschaft von anderen Beziehungen außerhalb von Familie und Partnerschaft  unterscheiden

  • Wirkliche Freunde sind die Art von Menschen, mit denen du gerne Zeit verbringst, wenn du die Gelegenheit hast. Du bist auch bereit, dich dafür einzusetzen. 

  • Du kennst ihre Lebensumstände, ihre Familie, wo sie früher gelebt haben und was sie beruflich gemacht haben. 

  • es gibt eine innere Verpflichtung, sich gegenseitig zu unterstützen. Es ist nicht besonders schwierig, um Hilfe zu bitten und auch keine Frage, selbst etwas für sie zu tun.

In meinen Ohren ist das eine gute Beschreibung. Ist sie für dich auch stimmig? Ich freue mich über deine Sichtweise in den Kommentaren. 

Regeln der Freundschaft – 4 Fakten

Ja, es gibt sie wirklich, die Regeln der Freundschaft. Und: Überraschung! – sie unterscheiden sich im Durchschnitt bei Männern und Frauen. Aber jetzt schauen wir erst mal auf das, was bei beiden Geschlechtern gemeinsam ist. 

1. Die Basis: Freundschaft bedeutet Engagement

Die Qualität von Freundschaften hängt direkt von der Menge der Zeit ab, die wir in sie investieren – bei Affen und bei Menschen. Qualität von Freundschaft meint  die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Gute Freundschaften führen dazu, dass wir gesünder sind und länger leben.

Mit “Herzensfreundschaften” ist der enge Kreis von typischerweise fünf Menschen gemeint. Dazu gehören häufig zwei Familienmitglieder, mit denen man eine besonders vertraute Beziehung hat und zwei beste Freunde. 

FreundInnen bemühen sich darum, sich zu treffen, Zeit miteinander zu verbringen. Freundschaften gehen verloren, wenn sie als selbstverständlich wahrgenommen werden.

Bedeutung von Freundschaft in Zeit
Mit anderen Worten: Freundschaften bröckeln, wenn wir uns weniger miteinander verabreden oder keine Dankbarkeit für Entgegenkommen oder Unterstützung zeigen. Und natürlich auch wenn wir selbst keine Hilfe anbieten, wenn sie benötigt wird.   Die Psychologen Michael Argyle und Monika Henderson fanden in einer umfangreichen Untersuchung sechs Regeln dafür, wie die Bedeutung von echter Freundschaft im Engagement sichtbar wird: 
  1. Einstehen für den Freund oder die Freundin in dessen/deren Abwesenheit 
  2. Mitteilen wichtiger Neuigkeiten
  3. emotionale Unterstützung zu geben, wenn die Freundin oder der Freund es braucht
  4. einander zu vertrauen und sich anzuvertrauen
  5. Hilfe anzubieten, wenn sie benötigt wird
  6. sich zu bemühen, dass die Freundin oder der Freund sich wohlfühlt
Wenn du diese Regeln nicht befolgst, wird sich das auf die Verbundenheit in deinen Freundschaften auswirken. Unter Umständen kann es dann helfen, den anderen um Verzeihung zu bitten. Besonders das Brechen der ersten Regel dürfte allerdings als Verrat ausgelegt werden und Freundschaften gefährden.

2. Freundschaft bedeutet, ähnlich zu denken

Es gibt das Sprichwort „Gegensätze ziehen sich an“. Was in der Physik zutreffend ist, ist nicht einfach auf menschliche Beziehungen übertragbar. Ein anderes Sprichwort ist für die Bedeutung von Freundschaft viel passender: „Gleich und Gleich gesellt sich gern“.

Es ist erstaunlich, wie weit das geht:

Die Wahrscheinlichkeit, dass du Gene mit einer FreundIn teilst, ist doppelt so hoch wie bei einer beliebigen Person aus deiner  Nachbarschaft.

Und du denkst ähnlich wie deine Freunde: wenn du und deine Freunde einen Film sehen, gibt euer Gehirn deutlich mehr ähnliche neuronale Antworten, als wenn beliebige andere Menschen der gleichen sozialen Gruppe den gleichen Film sehen.

Bedeutung von Freundschaft: Nilgänse sitzen zusammen am Wasser

Tatsächlich heißt “ähnlich denken” also nicht nur, die gleichen Dinge zu mögen oder interessant zu finden, sondern auch hirnphysiologisch ähnlich zu reagieren. Freundschaft gibt uns so ein Gefühl der Zugehörigkeit und der Anerkennung in dem, was wir sind. Das gehört wesentlich zu ihrer Bedeutung für uns.

Die schwierigste Herausforderung für Menschen, die von Einsamkeit geplagt sind, besteht darin, dass, obwohl sie etwas durchmachen, das sich wie ein Loch in der Mitte ihres Seins anfühlt - ein Hunger, der gestillt werden muss -, dieser "Hunger" niemals durch eine Konzentration auf das "Essen" gestillt werden kann. Was wir brauchen, ist, den Schmerz unserer eigenen Situation lange genug hinter uns zu lassen, um andere zu füttern.

John T. Cacioppo

Und hier kommen die Unterschiede zwischen den Geschlechtern ins Spiel verstärkt durch die Tatsache, dass Frauen Freundinnen bevorzugen und Männer Freunde.

Bedeutung von Freundschaft für Frauen

Frauen haben als besten Freundinnen ein sehr enges Verhältnis miteinander. Sie vertrauen sich gegenseitig Wichtiges an und beraten sich bei Entscheidungen – auch sehr persönlichen. Miteinander sprechen, ob direkt oder am Telefon, hat eine hohe Bedeutung für die Freundschaft.

Für  Frauen ist es sehr wichtig, dass ihre Freundinnen ungefähr so sensibel und verletzlich sind, wie sie selbst. Genauso wichtig ist das gleiche Ausmaß an emotionaler Stabilität wichtig: Frauen, bei denen negative Aspekte ihres Lebens emotional im Vordergrund stehen, verstehen sich auf Dauer nicht so gut mit Frauen, die eine positivere Sicht auf das Leben haben. 

Zu wenig oder zu lückenhafte Kommunikation zwischen Freundinnen führt bei Frauen eher zu Problemen als bei Männern. Die Beziehung verliert an Nähe.

 

Bedeutung von Freundschaft für Männer

Für Männer spielt üblicherweise das zusammen Reden in Freundschaften eine deutlich geringere Rolle, zumindest in den westlich geprägten Kulturkreisen. Wichtiger ist,  etwas zusammen zu tun und zusammen Spaß zu haben. Ob das heißt  in die Kneipe zu gehen, Fußball oder Karten zu spielen, ist Geschmackssache.  

Bedeutung von Freundschaft: zusammen etwas unternehmen

Für befreundete Männer ist es sehr wichtig, in etwa gleich locker oder gewissenhaft zu sein. Also wie organisiert, zuverlässig und ordentlich jeder von ihnen ist: sind sie eher spontan und können auch mal “Fünfe gerade sein ” lassen? Oder sind eher längerfristig terminierte Verabredungen ihr Modus? Wie läuft die Planung und Umsetzung gemeinsamer Aktivitäten ab? Das hat für Männer eine höhere Priorität als für Frauen.

7 ausschlaggebende Merkmale für Attraktivität

Stell dir vor, du bist in einer fremden Stadt auf einem großen Platz. Es gibt Cafés, einen Markt und vielen herumschlendernde Menschen. Du kennst niemanden. Du hast vor, ein paar Wochen in der Stadt zu bleiben und es wäre nett, jemanden kennenzulernen, mit dem du dich ab und zu treffen kannst.

Wonach suchtst du aus, wer das sein könnte? Es gibt sieben kulturell geprägte Merkmale, die, mehr oder minder bewusst, für deine Auswahl ausschlaggebend sind. Robin Dunbar nennt sie die “sieben Säulen der Freundschaft”.

    Die "Sieben Säulen der Freundschaft”

    1. die gleiche Sprache oder den gleichen Dialekt haben
    2. am gleichen Ort aufgewachsen zu sein
    3. die gleichen Bildungs- und Berufserfahrungen gemacht zu haben 
    4. die gleichen Hobbys und Interessen zu haben
    5. die gleiche Weltanschauung zu haben (eine Mischung aus moralischen, religiösen und politischen Ansichten und Werten)
    6. den gleichen Sinn für Humor zu haben 
    7. die gleichen musikalischen Vorlieben zu haben

    Diese Merkmale beschreiben, was für dich vertraut ist, ein bisschen Verbindung herstellt. Du machst du einen Abgleich zwischen dir und deinem Gegenüber. Wo stimmt die Passung?

    Auch diese Studien zeigen: gleich und gleich gesellt sich gern. Je mehr dieser Merkmale du mit jemandem teilst, um so mehr Zeit bist du bereit mit ihr oder ihm zu verbringen. Um so mehr emotionale  Nähe wirst du zu diesem Menschen haben.

    Es entsteht ein Gefühl der Resonanz, der Verbundenheit, die sich auch im Körper ausdrückt. Was natürlich nicht heißt, dass du dich nicht für Menschen interessierst, die aus einem anderen Land kommen oder einen anderen Musikgeschmack haben. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass du dich diesem Menschen nahe oder verbunden fühlst, steigt mit jedem Merkmal.

    Wenn du in der fremden Stadt mit jemandem ein Gespräch begonnen hast, erhöht jede übereinstimmende „Säule“ die Sympathie zwischen euch. Daraus können unterschiedliche Arten positiver Beziehungen entstehen: 

    Freundlichkeit zwischen Fremden: ihr trinkt einen Tee oder Kaffee zusammen, verabschiedet euch und seht euch nie wieder. Wenn es nett war, hebt es deine Stimmung.

    Kollegen und Bekannte: Ihr stellt fest, dass ihr ganz in der gleichen Nachbarschaft wohnt oder im gleichen Hotel und seht euch immer wieder mal beim Einkaufen. Besonders in großen Städten ist es schön, einen freundlichen Menschen  zu treffen, den man kennt.

    Gefährten und Kameraden: Ihr stellt fest, dass ihr beide gerne spazieren geht und verabredet euch für einen gemeinsamen Spaziergang. Oder ihr geht gerne schwimmen und trefft euch dafür an einem See.

    Herzensbeziehungen: Ihr habt euch schon sehr oft getroffen und euch viel voneinander erzählt. Und inzwischen gibt es ein inneres Bedürfnis in euch, in Kontakt zu bleiben.

    Damit sind mögliche Stationen für die Entwicklung einer engen Freundschaft skizziert. 

    7 Tipps, wie du neue Freundschaften aufbaust

    Eins ist klar: Freundschaften aufzubauen erfordert Anstrengung und zeitliches Engagement. Es ist kein magisches Geschehen, das während einem gemeinsamen Kaffeetrinken passiert. Nicht zuletzt, weil jeder schon eigene Freundschaftsnetzwerke hat. Sich Raum und Zeit für dich als neue FreundIn zu nehmen könnte bedeuten, die Freundschaft zu jemandem anderen schleifen zu lassen. 

    Je besser wir uns  in andere Menschen hineinversetzen können, je mehr wir verstehen, was ihnen durch den Kopf geht, umso mehr Freunde haben wir. 

    1. Eigene Vorurteile wahrnehmen und offen auf andere zugehen

    Wenn du eine Person das erste Mal siehst, ordnest du sie in den ersten Sekunden in eine Gruppe ein. Das hat mit Hierarchie zu tun, damit, wie du ihr Position auf der Leiter der allgemeinen Wertschätzung einordnest. Das ist eine ganz normale Reaktion, die „automatisch“ entsteht. Bei vielen Säugetieren ist das so, uns Menschen eingeschlossen.

    Durch diese bewusste oder unbewusste Zuordnung übersehen wir oft etwas, denn  wir gehen davon aus, dass unsere neue Bekanntschaft genauso ist und reagiert, wie andere Personen “aus dieser Gruppe”. Wenn Menschen in einer von uns wenig geschätzten Schublade landen, nehmen wir eher keinen Kontakt auf.  

    Zu einem ähnlichen Resulatat führt die Annahme, genüber der neuen Bekanntschaft benachteiligt zu sein, aus welchen Gründen auch immer. Wir nehmen diese Menschen als Person nicht gut wahr. Das Bild in unseren Köpfen überstrahlt die reale Begegnung. 

    Der Vergleich mit anderen Menschen macht unglücklich, indem er die Rangordnung in den Vordergrund des Erlebens stellt. Das haben  vielen Studien gezeigt. 

    Freundschaft bedeutet offen auf andere zugehen: Rassismus ist ein Virus. Wir sind der Impfstoff

    Übersetzung des Textes:
    Rassismus ist ein Virus
    Wir sind der Impfstoff

    Foto von Ehimetalor Akhere Unuabona, CCO

    Wesentlich vorteilhafter für uns ist freundliche Beobachtung. Und damit ist zuerst ein wohlwollendes Interesse gemeint an dem, wie uns dieser Mensch entgegenkommt. Was zeigt er oder sie  durch sein Verhalten über sich selbst und seine Sicht der Situation?

    Interesse am anderen, vielleicht auch Neugier, hilft über Smalltalk hinauszukommen.  Deine Freundlichkeit baut eine Brücke, wenn sie ernst gemeint ist. Es geht aber dabei nicht um die Maske der Freundlichkeit:

    Freundlichkeit ohne Herzenswärme funktioniert nicht.

    Dazu gehört auch, dass du Freundlichkeit in deinem Umfeld entdeckst.

     

    2. Wenn Du Dich allein fühlst, vergrößere Deinen Aktionsradius

    Wir alle neigen dazu, uns in ein Schneckenhaus zurückzuziehen, wenn wir uns allein fühlen. Um es wieder zu verlassen, brauchen wir Sicherheit. Wir brauchen einen Bereich, in dem wir Kontaktmöglichkeiten mit anderen  ausprobieren können, ohne uns bedroht zu fühlen. Dabei ist es gut, klein anzufangen. 

    Wenn du dich einsam fühlst, ist die Herzensfreundin oder die große Liebe kein  realistisches Ziel. Machbar sind gute Erfahrungen in positiven sozialen Begegnungen. Beispielsweise durch ein kurzes Gespräch am Gartenzaun oder im Hausflur, ein Lächeln an der Supermarktkasse. Wir können dann positive Reaktionen bei anderen spüren und Mut daraus schöpfen. 

    Auch nach einer Gelenkoperation können wir nicht wieder joggen oder schwungvoll tanzen, so gern wir das vielleicht auch möchten, sondern wir gehen kleine Schritte, um dann irgendwann dort anzukommen, wo wir hin möchten. So wie wir spüren, dass uns die Bewegung, die gerade möglich ist, guttut, so helfen uns kleine positive Erlebnisse in einem sicheren Umfeld.

    Aber das Risiko lohnt: wenn das Gefühl der Verbundenheit aufblitzt, verändert das unsere Körperchemie ins Positive und ein Funken der Freude kommt in unser Herz.

    Manchmal kommt auch eine nicht so freundliche Antwort zurück. Dann ist es gut sich klar zu machen, dass das tausend Gründe haben kann, die alle nichts mit dir zu tun haben. Die sensible Wahrnehmung sozialer Signale gehört dazu – einschließlich der Zeichen, die zur Zurückhaltung mahnen.

    3. Werde aktiv, auch wenn du dich gerade allein fühlst

    Bedeutung von Freundschaft: sich auf sein Herz verlassen

    Gerade wenn wir uns allein fühlen, haben wir den Wunsch, Zuneigung geschenkt zu bekommen. Wir fühlen uns bedürftig. Es ist ein bisschen wie bei Tierkindern der Anspruch: „füttere mich zuerst!“ So verständlich dieser Wunsch ist – es ist wichtig, ihn  loszulassen. Sonst fühlt sich unser Gegenüber überfallen. Besonders wenn wir uns öfters einsam fühlen, erfordert das Zeit und Mühe.

    Vielleicht hast du das Gefühl, du kannst an deiner Einsamkeit nichts ändern. Da irrst du dich höchstwahrscheinlich.

    Wenn wir unsere Gedanken, Erwartungen und Verhaltensweisen gegenüber anderen ändern, kann das überraschend positiv wirken. Wir können auch den Ort bewusst wählen, an dem wir unsere soziale Energie investieren.

    Du kannst ein Thema aussuchen, das dich interessiert und schauen, an welchem Ort sich wahrscheinlich Menschen aufhalten, die das auch interessieren könnte. Gibt es eine Gruppe oder einen Verein, in dem dein Thema eine Rolle spielt? Kannst du dort irgendwie mithelfen? Vielleicht kannst du deine persönlichen Stärken dort einsetzen?

    Wenn du an diesem Ort auf die Menschen um dich herum zu gehst, teilen die anderen voraussichtlich dein Interesse am Thema. Damit bietet sich ein Ausgangspunkt für Gespräche, vielleicht sogar für eine tiefere Verbindung. 

    Kleine Dosen positiven Erlebens, kleine Gaben von Glückshormonen, ausgelöst durch die Unterstützung anderer, können dabei helfen, innere  Widerstände zu überwinden. Sie weisen auf eine begründete Hoffnung hin. Wenn wir bereit sind, immer mehr auf die Möglichkeiten einer Begegnung zu achten und den inneren Schmerz nicht mehr in den Mittelpunkt unseres Erlebens stellen, leiten wir einen Änderungsprozess ein. 

    4. Hilfe anbieten

    Wenn du anderen hilfst, hat das zwei Vorteile: du begegnest anderen Menschen und du tust etwas dafür, dass es dir selbst besser geht. Denn Hilfe für andere verringert Ängstlichkeit und Stress. Dabei kommt es nicht auf die spezielle Art der Hilfe an: egal ob du aus Tierliebe in einem Rettungsheim für Tiere hilfst, aus Liebe zu deinem Wohnort in Gruppen Straßen und Parks von Abfall säuberst oder dich für unterprivilegierte Kinder engagierst – hauptsache es fühlt sich wirklich sinnvoll für dich an. 

    Freiwilligenorganisationen bieten sichere Möglichkeiten, deinen Lebenssinn zu stärken und gleichzeitig eine Verbindung zu anderen Menschen herzustellen. Der größte Nutzen für dich entsteht, “wenn wir mit anderen zusammen kommen, um Maßnahmen zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels zu Ergreifen.” (Vivek H. Murthy)

    Anderen zu helfen erhöht unser Wohlbefinden, körperlich und seelisch. Freundschaft bedeutet aber auch, die Grenzen der Nächstenliebe nicht zu übertreten.

    5. Wähle aus, mit wem du den Kontakt ausbauen willst

    Bedeutung von Freundschaft - Frau begegnet Gorilla

    kellepics / Pixabay

    Der Ausweg aus der Einsamkeit liegt häufig nicht in der Quantität, sondern in der Qualität der Beziehungen. Deshalb macht es Sinn, wenige, aber dafür wichtige und intensivere, Kontakte zu pflegen. Menschliche Beziehungen müssen für alle Beteiligten sinnvoll und befriedigend sein.

    Gute Beziehungen, egal in welchem Kreis, sind wechselseitig: für die Pflege oder den Ausbau ist es wichtig, dass von beiden Seiten ein ziemlich ähnliches Maß an Intimität und Intensität ausgeht. Wenn wir mit zu heftig auf jemanden zugehen und die die Reaktion unseres Gegenübers dabei nicht im Blick haben, ist das der schnellste Weg, den anderen wegzustoßen. Selbst Gespräche, die mal eben nebenbei ablaufen, müssen eine Form und ein Tempo haben, das für alle Beteiligten angenehm ist.

    Manche Kontakte sind vielversprechender für zukünftigen Beziehungen als andere. Es ist wichtig, das zu erkennen. Und manche Menschen sind zwar sehr sympathisch, aber nicht bereit, häufigere Begegnungen in der Zukunft zu ermöglichen – aus welchen Gründen auch immer. 

    Bei der Einschätzung sollten wir im Blick haben, dass wir oft auf soziale Signale sehr sensibel reagieren und sie teilweise überinterpretieren, wenn wir uns einsam fühlen. Hilfreich ist dann, uns so gelassen wie möglich auf den gegenwärtigen Moment zu  konzentrieren, um diese Signale angemessen zu interpretieren. Oft hilft auch nachzufragen. 

    Gemeinsame Themen und Interesse an einer weiteren Begegnung sind die relevanten Signale für unsere Wahl.

    6. Erwarte Gutes – auch wenn du dein Gegenüber nicht kennst

    Mein erster Chef, ein erfahrener Börsenmakler, sagte vor vielen Jahr zu mir: „ich vertraue jedem Menschen. Grundsätzlich. Nur, wenn er mich ernsthaft enttäuscht, dann hört das auf.“

    Zu Beginn Positives zu erwarten ist in Begegnungen immer eine gute Strategie. Das wissen wir auch aus der Kooperationsforschung. Wenn wir vom guten Verlauf ausgehen und auf negatives Verhalten anderer durch eine angemessene Verhaltensänderung reagieren, ist unsere Chance auf eine schöne Erfahrung deutlich größer, als wenn wir anderen mit Misstrauen begegnen.

    Wenn wir skeptisch oder und besonders kritisch sind, schaden wir uns selbst. Es ist besser für uns, wenn wir uns auf die kleinen positiven Erlebnisse konzentrieren, die aus kooperativem Verhalten anderen gegenüber entstehen. Diese kleinen Augenblicke bewusst wichtig zu nehmen ist enorm hilfreich, um die emotionale Durststrecke zu überstehen, bis Freundschaften wirklich aufgebaut sind.

    Wenn wir in kleinen Schritten mehr Zufriedenheit in der Gesellschaft mit anderen Menschen erleben, kann uns das helfen, widerstandsfähiger, großzügiger und belastbarer zu sein. Es ist wahrscheinlich, das dies bei anderen Menschen Wohlwollen und Wärme hervorruft: die Kraft der Gegenseitigkeit.

    Vielleicht dauert es eine Weile, bis wir das wahrnehmen.

    7. Setze eine rosa angetönte Brille auf

    Was bedeutet Freundschaft: eine positive Sicht auf unsere Freunde

    Es tut Beziehungen gut, wenn die Beteiligten das Positive, das durch den anderen in ihr Leben kommt, sehr hervorheben, vielleicht sogar ein bisschen überschätzen. Das wissen wir aus Untersuchungen von Paarkonflikten.

    Auf Fehler und Schwächen zu achten haben wir alle gelernt. Was wir weniger gelernt haben ist Leute dabei zu erwischen, wie sie etwas gutmachen. Im Gegenteil, wir gewöhnen uns sehr leicht an das Gute und Angenehme und halten es für selbstverständlich. Deshalb ist es wichtig, die Stärken anderer Menschen zu sehen und ihnen deutlich zu machen, dass wir sie sehen. 

    Du kannst das bewusst trainieren, wenn du möchtest. Es ist ein Düngemittel für Freundschaften. Hier gibt es einen Vorschlag dazu, wie du das machen kannst. 

    Wie Freundschaften wachsen

    „Freundschaft zu kultivieren ist wie einen Garten zu hegen. Du legst ein Stück Land frei, bereitest die Beete vor und überlegst, welche Samen und Pflanzen am besten für den Standort und die Jahreszeit geeignet sind. Du stellst sicher, dass du die richtige Menge an Wasser, Erde und Licht bekommst.

    Bedeutung von Freundschaft: Sprösslinge sehen und kultivieren

    Du pflanzt deine Lieblingssamen. Und dann investierst du Zeit und Energie in die Pflege dieser neu wachsenden Dinge. Wenn sie Triebe aussenden und anfangen zu wachsen, hoffst du, dass du nicht vergisst, sie zu gießen oder von einer Hitzewelle heimgesucht wirst –

    beides könnte das Leben dieser Baby-Sprösslinge zerstören und dich zurücklassen, wo du mit kahler Erde und einer Handvoll kleiner Wünsche angefangen hast.“

    Kat Vellos

    Samen der Verbindung

    Der Bedeutung von Freundschaft entsprechen nach Kat Vellos 4 Arten von “Samen”, aus denen Freundschaften entstehen können:

    Räumliche Nähe: Es ist leicht, sich zufällig über den Weg zu laufen

    Es macht einen großen Unterschied, wieviel Aufwand ich treiben muss, um jemanden zu sehen. Die Möglichkeit, mal kurz auf einen Kaffee vorbeizukommen erleichtert Beziehungen. “Freunde in unmittelbarer Nähe zu haben, verwandelt eine einfache Nachbarschaft in ein erweitertes Zuhause” (Kat Vellos).

    Häufigkeit: Sich oft sehen und wenn man zu einem neuen Menschen eine Verbindung spürt, sofort beginnen, Treffen zu planen

    Aus Bekanntschaften können Freundschaften werden, wenn es Interesse an weiteren Treffen gibt, z.B. zum Sport oder zu Kino oder Theater. Wenn Menschen in den drei Monaten nach ihrem ersten Treffen insgesamt mehr als 60 Stunden (also etwa 1 1/2 Stunden pro Woche) miteinander verbracht haben, ist die Chance gut, dass daraus Freundschaften entstehen.

    Klar, wir sind alle sehr beschäftigt! Vielleicht machst du auch die Erfahrung, zwischendurch zu denken: ich sollte x unbedingt mal anrufen, um es anschließend wieder zu vergessen. Wir geben Freundschaft leider in der Praxis oft zu wenig Bedeutung. 

    Es ist besser, dich selbst über deinen Kalender oder dein Telefon immer wieder daran zu erinnern, Menschen zu kontaktieren, als dich auf deine in dieser Hinsicht unzuverlässigen Alltagsgewohnheiten zu verlassen. Das gilt für neue Bekanntschaften und für alte Freunde.  

    Verträglichkeit: passende “Chemie”, Kommunikationsstil, gemeinsame Werte, Lebensstil

    Ein Beispiel ist gemeinsames Essen, bei dem sich alle wohlfühlen. Wie das abläuft, wird je nach Lebensstil unterschiedlich sein, aber das es stattfindet, ist der Punkt. Am besten ist es, wenn man öfters zusammen isst, wenn dabei gelacht wird, man sich gemeinsam an die Vergangenheit erinnert und – dabei Alkohol trinkt. Die Gewohnheit des gemeinsamen Essens beeinflusst sehr direkt die Zahl unserer engen Freunde und unsere Lebenszufriedenheit. Sich regelmäßig mit Kumpels z.B. in einer Stammkneipe zu treffen ist aus dieser Sicht eine gute Idee. Und je häufiger, umso enger werden die Verbindungen!

    Engagement: Offenheit, Fürsorge, Vertrauen, Hingabe und Gegenseitigkeit

    Die Regeln für das Sichtbarwerden von Engagement sind von Anfang an relevant. Offenheit und Vertrauen wachsen mit der Zeit, können aber auch manchmal sehr schnell entstehen. Damit Nähe in Begegnungen entstehen kann, braucht es wahrnehmbare gegenseitige Zuneigung und Wertschätzung in einer für die Beziehung passenden Form. Dann kann “der Tanz der Enthüllungen” beginnen, in dem wir uns wechselseitig kleine persönliche Geschichten erzählen, Erlebnisse, die wir nicht mit jedem teilen. 

    Die Entwicklung von Freundschaft braucht einen Vertrauensvorschuss, auf dem gegenseitiges Interesse wachsen kann. Damit ist nicht absolute Blauäugigkeit gemeint, die eher das Gegenteil von Offenheit für den anderen ist, sondern eine wertschätzende, respektvolle Grundhaltung.

    Vielleicht erzählen wir etwas, was uns traurig gemacht hat. Wenn unser Gegenüber positiv und verständnisvoll reagiert, tut uns das gut. Oder wir haben eine Meinung, die so nicht von der Mehrheit geteilt wird – wenn wir uns damit gesehen und persönlich akzeptiert fühlen, sind wir von der zuhörenden Person stärker angezogen.

    Allein die Tatsache, dass wir etwas Persönliches zur Sprache bringen, signalisiert ein Interesse an der Vertiefung der Beziehung. Die speziellen Inhalte helfen uns zu entscheiden, ob wir mehr hören und uns der Person mehr nähern wollen oder nicht. Wie so oft im Alltag ist es das beste, ein mittleres Level einzuhalten, wenn wir uns jemandem öffnen, den wir gerade kennenlernen. Über Kindheitstraumata zu sprechen ist zu intim, ein aktuell erlebtes Ereignis ist eher passend für den Tanz der Enthüllungen.

    Genauso gilt andersherum: Wenn das Gespräch im Wesentlichen auf dem Niveau von Small Talk bleibt, führt das zu geringerer Nähe in der Freundschaftsbeziehung. Auch enge Freundschaften verlieren dadurch an Bindungskraft.

    Gegenseitige Unterstützung – Merkmal von Freundschaften

    Bedeutung von freundschaft: Unterstützung

    Grundlage und Bedeutung von Freundschaftsbeziehungen ist gegenseitige Unterstützung in dem, worum es jedem von ihnen persönlich im Leben geht. Auf dem Weg von der Bekanntschaft zur Freundschaft bewegen wir uns von vorsichtigem Engagement, aufmerksam für eine Balance der Aufwendungen, hin zu geteiltem Vertrauen und Unterstützung ohne vergangene Unterstützungsleistungen gegeneinander aufzurechnen.

    Zu Beginn Positives zu erwarten ist in Begegnungen immer eine gute Strategie. Das wissen wir auch aus der Kooperationsforschung. Wenn wir vom guten Verlauf ausgehen und auf negatives Verhalten anderer entsprechend reagieren, ist unsere Chance auf eine schöne Erfahrung deutlich größer, als wenn wir anderen mit Misstrauen begegnen.

    Wenn wir unsere Fähigkeit, andere wahrzunehmen, weiterentwickeln und kultivieren, sie wirklich mit ganzem Herzen zu sehen lernen, werden unsere Beziehungen wachsen und gedeihen. Wir tun dies, indem wir

    • uns respektvoll auf die andere Person einlassen, präsent und aufmerksam sind
    • unsere Beziehungspartner unterstützen
    • Vertrauen entgegenbringen, indem wir daran glauben, uns auf die andere Person verlassen zu können und aus den Erfahrungen lernen
    • miteinander spielen und Spaß haben

    Wir haben selbst eine ganze Menge davon, wenn wir uns um das Wohlbefinden unserer Freunde kümmern. Denn gute Gefühle sind ansteckend: es ist um 15 Prozent wahrscheinlicher, dass wir glücklich sind, wenn einer unserer Freunde glücklich ist. Selbst wenn ein Freund eines Freundes glücklich ist, steigt die Chance, dass wir zufriedener sind, um 10 Prozent.

    Wie sich Freundschaften im Verlauf des Lebens ändern

    Die Bedeutung von Freundschaft hat sich im Laufe der Geschichte geändert. Während heute Liebesbeziehungen oft als unbedingt erforderlich für das Lebensglück gesehen werden, wurde seit der Antike in den Jahrhunderten vor Anbruch des 20. Jahrhunderts das Ideal der Freundschaft sehr hochgehalten. Dabei wurde vor allem an Freundschaften zwischen Männern gedacht.

    Heutzutage hat Freundschaft eine weit geringere Bedeutung. Zwar ist im Erwachsenenalter viel von Netzwerken und Beziehungspflege die Rede, aber damit sind keine engen Verbindungen gemeint.

    Bei Kindern und Jugendlichen ist das anders. Die meistern Eltern machen sich Sorgen, wenn ihre Sprößlinge keine Freunde finden.

    Warum es für Erwachsene schwerer ist, Freundschaften zu schließen

    Freundschaft entsteht durch gemeinsam verbrachte Zeit

    Die Aufbau von Freundschaften dauert bei Kindern genauso lange, wie bei Erwachsenen. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen Kindheit und Jugend einerseits und dem modernen Erwachsenenleben: Kinder und Jugendliche verbringen schon sehr viel Zeit in Kindergarten und Schule zusammen. In ihrer Freizeit sind sie dann oft mit den gleichen Menschen zusammen – in der Regel mit Kindern und Jugendlichen  aus der Nachbarschaft. Sie spielen, hören Musik oder “hängen zusammen ab”.

    Wenn Erwachsene am Arbeitsplatz über länger Zeit sehr eng zusammenarbeiten, entstehen daraus auch häufig  Freundschaften. An modernen Arbeitsplätzen ist das aber oft nicht (mehr) der Fall. Und wenn es so ist, gibt es eher nur eine Handvoll Kolleginnen und Kollegen, mit denen man regelmäßig im beruflichen Austausch steht. Was die Chance verkleinert, dass es über die Arbeit hinaus gemeinsame Interessen gibt.

    Bedeutung von Freundschaft: zusammen arbeiten

    Es geht also weniger um das Alter an sich, als um die Rahmenbedingungen, die die Entwicklung von Freundschaften für Erwachsene erschweren. In traditionelleren Gesellschaften werden viele Arbeiten gemeinschaftlich erledigt. Auch “Hausarbeiten”. 

    Deshalb ist die Verbindung zwischen den Nachbarn viel enger als in modernen Städten. Man denke nur an gemeinsames Waschen, Backen oder an die Feldarbeit. Heute gibt es im westlichen Kulturkreis keinerlei Notwendigkeit zu gemeinsamen Aktivitäten für Nachbarn.

    Wir sind zu beschäftigt mit anderem – Freundschaft erscheint als nachrangig

    Erwachsene Menschen kümmern sich nicht um den Aufbau neuer Freundschaften, weil sie sich zu eingespannt und/oder zu müde fühlen. Ihr Terminkalender ist vollgepackt und sie geben dem Treffen mit Menschen außerhalb von Beruf und Familie keinen Platz. 

    So lange sie eingespannt sind in ihre täglichen Verpflichtungen wird die Bedeutung von Freundschaft gar nicht so spürbar. Dann kann es passieren, dass in der Lebensmitte nicht mehr weniger oder gar keine vertrauten Menschen da sind.

    Wenn wir aufhören, Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, denen wir sehr nahe stehen, wenn wir nicht mehr für die Beziehung aktiv sind, löst sich das Vertrauen langsam auf. Langsam bildet sich ein Terrain, auf dem Schmerz und Kränkungen ihre destruktive Wirkung entfalten können.

    Angst vor schlechten Erfahrungen

    Besonders am Anfang einer Beziehung braucht es ein bisschen Mut, auf eine relativ unbekannte Person zuzugehen. Zurückweisung ist schmerzlich. Hirnphysiologisch gibt es einige Parallelen zwischen körperlichem und dem seelischen Schmerz durch Zurückweisung. Und klar – das wollen wir vermeiden.

    Wenn ein neuer Kontakt entstehen oder vertieft werden soll, – muss irgendjemand Zurückweisung riskieren, indem er oder sie ihr Interesse zeigt. Sonst passiert nichts. 

    Ob du das wagst oder nicht hängt von der Bedeutung ab, die du dem gibtst. Wie wichtig sind dir Aufbau oder Intensivierung von Freundschaft?

    Bedeutung von Freundschaft: Verwundbarkeit als Voraussetzung

    Dabei geht es nicht darum, Privates zur Schau zu stellen, sondern aus der Deckung des Small Talks zu kommen.

    Wenn wir das Risiko der Verletztlichkeit akzeptieren, eröffnen wir einen Raum für gemeinsame Anknüpfungspunkte. 

    Umzüge erschweren das Aufrechterhalten von Freundschaften

    Viele Menschen ziehen heutzutage öfters um, auch über größere Distanzen. Oft ist das beruflich bedingt.

    Dann sind die Leute im näheren Umfeld unbekannt. Neue Bekanntschaft müssen erst geschlossen werden. Damit das über ein formelles Grüßen im Treppenhaus oder auf der Straße hinausgeht (was oft auch keine Selbstverständlichkeit ist), braucht es zumindest ein Interesse an den grundlegenden Lebensumständen der Nachbarn. 

    Während Kinder sich über das gemeinsame Spiel kennenlernen, muss zwischen Erwachsenen ein erstes gemeinsames Thema erst gefunden werden. Und das ist absolut kein Selbstläufer.  

    Zusätzlich ist es aufwendig, Treffen mit entfernten Freunden zu planen. Deshalb spielt es für die Bedeutung von Freundschaft und Familie eine große Rolle, wie weit entfernt man voneinander wohnt. Wenn man weiter als 5 Kilometer voneinander entfernt wohnt, sieht man sich deutlich weniger. Noch weniger, wenn man mehr als 50 km auseinander wohnt und wenn man mehr als 100 km weit weg wohnt, gibt es nochmal eine deutliche Abnahme. 

    Das gilt nicht nur für persönliche Treffen, das wirkt sich auch auf die Häufigkeit von Telefongesprächen aus!

    Wenn Leute wegziehen und nicht mehr die Gelegenheit haben, sich häufig zu sehen, werden Freundschaften überraschend schnell deutlich schwächer

    Robin Dunbar.

    Eine enge Freundschaft entwickelt sich nach einem Umzug in weitere Entfernung  im Durchschnitt in drei Jahren zu einer reinen Bekanntschaft zurück. Dabei ist der erste massive Einschnitt nach 6 Monaten zu beobachten. Danach geht es langsam und stetig nach unten. 

    Freundschaften reagieren sehr viel empfindlicher auf räumliche Entfernung als Verwandtschaft – was sicher keine Überraschung ist. Hier hat das Internet segensreiche Wirkungen: Begegnungen im virtuellen Raum ermöglichen das Miteinander auch, wenn die halbe Welt dazwischen liegt. 

    Freundschaften 2.0

    Wenn die Bedeutung von Freundschaften im Alltag abnimmt, sind soziale Medien ein Symptom, nicht die Ursache. Die meisten Leute habe auf Facebook die gleiche Anzahl von Freunden, wie sie in sozialen Netzwerken üblich ist, in denen sich Menschen persönlich begegnen. Facebookfreunde sind in der Regel die Alltagsfreunde. Dazu kommt noch eine Handvoll Leute, die wir online kennengelernt haben. 

    Begegnungen in Video-Konferenzen wie Zoom oder Skype werden als wesentlich befriedigender empfunden, als schriftliche  Nachrichten oder Telefongespräche. Dabei scheint die gegenseitige Wahrnehmung des Gesichts und besonders der Augen eine große Rolle zu spielen und subjektiv mehr Nähe zu erzeugen. Auch Humor kommt in  Videokontakten besser rüber:  die Kombination von Mimik, Stimme und Worten vermittelt viele winzige Hinweise, die über Text oder Telefon allein nicht vermittelt werden können. 

    Textnachrichten dienen am besten zur schnellen Verbindung im Alltag oder Übermittlung von guten Nachrichten. Gegenseitiger Austausch durch Texten kann genutzt werden, um sich für ein persönliches Treffen zu verabreden, online oder offline. Texten allein ist definitiv zu wenig, um persönliche Nähe herzustellen. 

    Die emotionale Qualität des persönlichen Kontakts, die emotionalen Obertöne, die unsere Stimme und unser Gesichtsausdruck den Worten verleihen können, scheinen so besonders wichtig zu sein. Dazu kommt das Gefühl, dass wir uns in die Augen schauen und damit sagen: „Ich habe mir die Mühe gemacht, Zeit mit dir zu verbringen“

    Robin Dunbar

    Die Häufigkeit der Kommunikaton über das Schreiben sagt aber sehr wohl etwas über die Bedeutung einer Freundschaft für die Beteiligten aus: je enger der Kontakt, um so häufiger der schriftliche Austausch.

    Zitate zu Freundschaft

    Was gibt es Erfreulicheres, als einen neben sich zu haben, mit dem du über alles sprechen darfst, wie mit dir selbst? Wie würde der Genuß bei glücklichen Einfällen so groß sein, wenn du keinen Freund hättest, der sich ebenso darüber freute, wie du selbst? Widerwärtiges aber zu ertragen, würde schwer sein, ohne einen, der es noch schmerzlicher fühlte, wie du selbst.

    Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.)

    „Freundschaft ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe.“

    Ernst Zacharias (1924 – 2020)

    „Bei dem, was wir gewöhnlich Freunde und Freundschaft nennen, handelt es sich allenfalls um nähere Bekanntschaften, die bei gewissen Anlässen oder um irgendeines Vorteils willen geknüpft wurden und uns nur insoweit verbinden.“ 

    Michel de Montaigne (1533 – 1592)

    Wirklich gute Freunde sind Menschen, die uns ganz genau kennen, und trotzdem zu uns halten.

    Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916)

    Facebook hilft, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht.

    Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiß nicht was Freundschaft bedeutet.

    Marc Zuckerberg

    „Man kommt in der Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen.“

    Jean de La Bruyère (1645 – 1696)

    Einem Kameraden hilft man.
    Einem Kollegen misstraut man.
    Mit einem
    Freunde ist man albern.

    Peter Bamm (1897 – 1975)

    In der Luxuslimousine fährt jeder gerne mit. Aber du brauchst Menschen, die mit dir Bus fahren, wenn die Limousine liegen bleibt.“

    Oprah Winfrey

    Freundschaft speist sich aus einer Mischung aus gemeinsam geteiltem Vergnügen, gegenseitigem Wohlwollen, Wertschätzung und Bewunderung

    François Lelord

    Zusammenfassung

    Die Bedeutung von Freundschaft entspringt einem grundlegenden menschlichen Bedürfnis und ist gleichzeitig Ausdruck der Kultur, in der wir leben. In unserer heutige Gesellschaft wird die Wichtigkeit für unser Wohlbefinden unterschätzt. Vieles hat Vorrang.

    • Die größte Hürde für das Gedeihen von Freundschaft im Erwachsenenleben ist unser Engagement dafür, unsere Prioritätensetzungen. Wir nehmen uns dafür zu wenig Zeit 
    • Menschen finden sich attraktiv, wenn sie in Resonanz kommen, Ähnlichkeiten aneinander entdecken. Je mehr, je besser. 
    • Freundschaften wachsen, wenn wir Gemeinsamkeiten zwischen uns erleben,  uns oft sehen, uns authentisch mit gegenseitigem Interesse und Wertschätzung begegnen. 
    • Soziale Medien spiegeln die Struktur von Freundeskreisen in der Realität wieder. 
    • Wie bei der Partnersuche brauchen wir zum Aufbau von Freundschaften Mut und die Bereitschaft, Zurückweisungen in Kauf zu nehmen

     

    Die Schaffung eines vernetzten Lebens beginnt mit den Entscheidungen, die wir in unserem täglichen Leben treffen. Entscheiden wir uns dafür, uns Zeit für Menschen zu nehmen? Zeigen wir uns als unser wahres Selbst? Suchen wir andere mit Freundlichkeit auf und erkennen die Kraft aus dem Einsatz für andere, die uns zusammenbringt?Vivek H. Murthy

    Was bedeutet das für dich? Du hast bis hierher gelesen, also bist du an dem Thema interessiert. Welche Fragen hast du? Stell sie unten in den Kommentaren.

    Wenn du dich fragst, was du konkret dafür tun kannst, neue Freundschaften aufzubauen und vorhandene Bekanntschaften zu vertiefen, habe ich zwei Ideen zum Weiterzumachen entwickelt. 

    Vertiefe in einem Workshop für Frauen, welches Know-How zur Bedeutung von Freundschaft du konkret für dich nutzen kannst.

    Kläre deinen Wunsch und die ersten Umsetzungsschritte in einer Gruppe im Gespräch und unterstützt von Übungen. 

    Gib und erhalte Unterstützung der GruppenteilnehmerInnen auf dem Weg.

    Wenn dich das interessiert und du Fragen dazu hast, lass es mich wissen. 

    Quellen:

    Brené Brown: Verletzlichkeit macht stark

    Robin Dunbar: Friends: Understanding the Power of our Most Important Relationships . 2021 Little, Brown Book Group. Kindle-Version. 

    https://www.careelite.de/freundschaft-zitate-zusammenhalt-sprueche/

    Carlin Flora, Friendfluence: The Hidden Ways in Which Friendships Make Us Who We Are

    Jeffrey A. Hall: How many hours does it take to make a friend? In: Journal of Social and Personal Relationships 2019, Vol.:36(4), DOI: 10.1177/0265407518761225

    François Lelord: Hector und das Wunder der Freundschaft, München 2010

    Vivek H. Murthy: Together – Loneliness, Health and What Happens When We Find Connection, London, 2020

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    Stattdessen kann ich lernen, mich selbst mehr zu akzeptieren und unbeschwerter zu leben. Ansatzpunkte dafür beschreibt der Beitrag.

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