Gefühle

Kind freut sich über Wasser

Kein Mensch will etwas Schönes verpassen. Trotzdem fallen uns positive Gefühle und schöne Augenblicke oft nicht wirklich auf. Das leckere Essen und die warme Sonne auf dem Rücken bekommen nicht viel Aufmerksamkeit, weil wir im Gespräch sind oder einfach in Gedanken. Außerdem fällt uns etwas Gutes leicht nicht mehr von selbst auf, wenn es länger dauert oder sich wiederholt. Die ersten drei Löffel Eis sind die besten. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit bewusst darauf richten, wenn wir es noch als das Wohltuende wahrnehmen wollen, was es tatsächlich ist.

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Anders ist es mit unangenehmen Erfahrungen und Gefühlen - sie werden stärker wahrgenommen und bleiben länger im Gedächtnis. Es gibt eine deutliche Verzerrung in der Erinnerung zugunsten negativer Erlebnisse. Die Wissenschaftler nehmen heute an, dass die Gründe dafür in der Evolution liegen: die Sicherung von Überleben und Fortpflanzung sind die vorrangigen Aufgaben unseres einzigartigen menschlichen Bewusstseins. Sind wir beispielsweise einer Gefahr entronnen, fangen wir an, über Absicherungsmöglichkeiten für das nächste Mal nachzudenken. Glück und Lebensfreude sind dabei zweitrangig.

Unsere Vorfahren konnten in einer Welt voller äußerer Gefahren dann überleben, wenn sie sich auf Gefahren konzentrierten und versuchten, sie zu vermeiden. Ein Wesen, dass, soweit wir wissen, von Afrika aus die Welt eroberte, hatte bessere Überlebenschancen, wenn es häufig überprüfte, ob die Signale seiner Umwelt Gefahr bedeuteten und was es in diesem Falle tun
könnte.

Wir fördern unser Glück, wenn wir die schönen Augenblicke kultivieren

Heute geht es nicht mehr darum, gegen den Angriff wilder Tiere gewappnet zu sein. In der modernen Gesellschaft hat häufiges Erleben positiver Gefühle große Vorteile: sie erweitern unseren Horizont und ermöglichen uns einen größeren Denk- und Handlungsspielraum.(1)  Sie wirken auch körperlich. Sie stärken das Immunsystem, fördern die Resilienz und verkürzen die Dauer von Krankheiten.(2) Durch sie wird eine Aufwärtsspirale angeschoben, die uns aufblühen lässt.

Nur unser Bewußtsein hat das nicht umgesetzt. Es hat noch die gleiche Arbeitsweise wie in der Zeit der Jäger und Sammler und konzentriert sich vor allem auf Gefährliches, Überlebenswichtiges. Deshalb ist es wichtig, gute Gefühle zu kultivieren, ähnlich wie einen Garten.

Das tun wir, indem wir sie bewusst wahrnehmen, auskosten und Augenblicke des Erinnerns schaffen. Dabei geht es weniger um die Intensität der Gefühle als um die Häufigkeit des Erlebens. Nicht der siebte Himmel ist das Ziel, sondern die Steigerung der Häufigkeit schöner Erlebnisse in unserem Alltag. Quantität geht vor Intensität.

Negatives nicht verdrängen

Ganz wichtig: es geht nicht darum, unangenehme Gefühle aus dem Bewusstsein zu verdrängen. Es geht darum, negative Erfahrungen wahr- und ernst zu nehmen und gleichzeitig offen für positive Aspekte des Augenblicks zu bleiben.

Kleine Alltagsrituale können Ihnen helfen, mehr Schönes und Angenehmes in Ihr Leben zu holen.

Was Sie bei schlechter Laune machen können, habe ich in diesem Blogbeitrag beschrieben.

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Quellen:

  1. Barbara Fredrickson, Macht der positiven Gefühle, S. 20
  2. Barbara Fredrickson, a.a.O., S. 47, 145f

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