Wie hängt unsere körperliche Gesundheit mit unseren Beziehungen zusammen?

Oxytocin

Körperliche und seelische Nähe, die sich beispielsweise in intensivem Blickkontakt zeigt, führt zur Ausschüttung von Oxytocin im Gehirn. Oxytocin wurde auch als das „Kuschelhormon“ bezeichnet und reduziert die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Es hemmt jene Teile des Gehirns (Amygdala oder Mandelkern), die Angst auslösen. Oxytocin wirkt blutdrucksenkend, was in Anbetracht der wichtigen Volkskrankheit Bluthochdruck ein wesentlicher Faktor ist.

Wenn man sich einsam und verlassen fühlt, steigt der Cortisolspiegel im Blut; das führt dazu, dass Blutdruck und Blutzuckerspiegel steigen. Das Herz ist beschleunigt und auch Schlafprobleme nehmen zu. Cortisol beeinflusst die Bildung und Verteilung der Leukozyten und besitzt Eigenschaften, die das Immunsystem unterdrücken. Die Psychologin Barbara Fredrickson weist darauf hin, dass es bei einer vermehrten Ausschüttung von Cortisol deshalb zu chronischen Entzündungsreaktionen im Körper kommen kann. Das kann anhalten, auch wenn die akute Krisensituation vorüber ist. So kommt es, dass das anhaltende Gefühl der Einsamkeit das Immunsystem eines Menschen so sehr schwächen kann, dass chronische Entzündungen, Herzkranzgefäßerkrankungen und Arthritis entstehen können.

Die Beziehungen zwischen mehreren Menschen werden auch durch die Ausschüttung dieser Hormone beeinflusst. Oxytocin führt dazu, dass man selber freundlicher und zugewandter mit seiner Mitwelt umgeht: Im Experiment erhielten die Teilnehmer eine Gabe von Oxytocin-Nasenspray. Sie reagierten weniger stark auf Bedrohung und waren mehr auf positive soziale Kontakte eingestimmt. So kann ein Kreislauf entstehen, in dem der Oxytocin-Fluss eines Menschen den eines anderen anregt. Das unterstützt gegenseitiges Engagement, Fürsorge und Empfänglichkeit.

Oxytocin fördert bei Männern Treue und Vorsicht gegenüber Rivalen ihrer Partnerin (im Versuch ging es um heterosexuelle Männer). Es führt dazu, dass Menschen ihre eigene Gruppe besonders mögen undfördert die Bereitschaft, ihre Aktivitäten zu teilen, mitzumachen.

Der Zusammenhang zwischen guten Beziehungen und Gesundheit wird auch durch den Vagusnerv hergestellt. Der Vagusnerv oder Kranialnerv führt aus dem Hirnstamm ins Herz, in die Lunge, in den Darm und andere innere Organe. Seine Aktivität ist wichtig für Ruhe und Entspannung im Körper. Er wirkt auf Verdauung, Blutzuckerwert und Entzündungen im Körper. Er ist mit der Oxytocin-Ausschüttung verbunden.

Vagusnerv

Freundliche Nähe stimuliert die Aktivität des Vagusnerv, aber auch die Wahrnehmung von Leid bei anderen Menschen oder die Erzählung einer interessanten Geschichte. Die Aktivität des Vagusnerves ist also deutlich mit Mitgefühl verbunden. Sie wirkt hin auf ein ein Gefühl der Verbundenheit, auch mit Menschen außerhalb der eigenen Gruppe.

Menschen mit stark ausgeprägter Vagusaktivität erleben im Alltag mehr positive Gefühle, haben mehr Freunde, eine bessere Unterstützung in ihren sozialen Netzwerken.

Zusammenfassung: Die Wirkung von Oxytocin und der Aktivität des Vagusnervs unterstützen das individuelle Erleben von Freundlichkeit und Entspannung. Zwischenmenschlich bewirken sie eine spiegelbildliche Steigerung der Aktivität. Eine positive Wechselwirkung zwischen Menschen entsteht.


Weitere Quellen: https://prod-edx-mktg-edit.edx.org/course/science-... 

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