Vieles von dem, was wir tun oder wie wir etwas einschätzen, ist uns nicht bewusst. Zwischen Bewusstem und Unbewusstem steht die Intuition.

Intuition ist eine diffuse Ahnung oder vages Wissen, z.B. hinsichtlich der Richtung eines Weges oder der Antwort auf eine Frage. …. Intuitives Problemlösen geschieht nicht in klaren rationalen Schritten, sondern in scheinbar verdeckter Weise, wobei die Lösungssuche anstrengungslos und ohne Detailerleben verläuft. Gerhard Roth, Alica Ryba

Eigentlich passiert das meiste im Gehirn ohne unser Bewusstsein. Intuitiv stellen wir die Weichen für die Erreichung unserer bewussten Ziele oder dafür, dass sie im Alltag eher verloren gehen. 

Unser Autopilot und unsere Intuition sind verdammt schnell und “geschehen” – im Guten und im weniger Guten. Also macht es bei der Zielverfolgung viel Sinn, sie einzubeziehen. Und damit sind wir bei unseren Gefühlen. Denn sie sind die “Verkörperung” unbewusster Verknüpfungen und Einschätzungen. 

Wenn du bis hierher gelesen hast, hast du wahrscheinlich ein Ziel. Dann nimm dir ein Blatt Papier und schreibe jetzt auf, was du dir vornimmst zu tun. Worum geht es?

Deine Gefühle als Verbündete für das Erreichen deiner Ziele

Jetzt wird es spannend: was sagt dein Bauchgefühl zu dem Vorsatz, den du aufgeschrieben hast? Ist da eine absolute Zustimmung? 

Stell dir jetzt vor, du hättest einen Zauberstab, wirbelst ihn um dich und dein Ziel ist Wirklichkeit. Gibt es auch ein ungutes Gefühl, wenn du dir vorstellst, dein Wunsch sei erfüllt? Wenn das der Fall sein sollte, solltest du es nicht unter den Teppich kehren. Denn dieses ungute Gefühl wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass du dein Ziel nicht erreichst. Viele Neujahrsvorsätze, mit denen sich Menschen etwas Gutes tun wollen, werden nicht umgesetzt. Warum? Weil Menschen versuchen, durch Disziplin und Selbstkontrolle das zu erreichen, was sie sich vorgenommen haben. 

Das klappt kurzzeitig hervorragend. Aber alles, was langfristig in den Alltag integriert werden soll, braucht eine Abstimmung von Verstand und Gefühl. Ob du dich von etwas abhalten möchtest, z.B. noch ein Stück Kuchen zu essen, oder ob du dich dazu zwingst, etwas zu tun, auf das du keine Lust hast, z.B. Rückengymnastik am Morgen – Selbstdisziplin ist anstrengend und störungsanfällig. 

Bauchgefühle oder somatische Marker als Orientierungshilfe

Wenn unser Unbewusstes etwas Gutes erwartet, reagiert es mit einem angenehmen Gefühl, wie z.B. Wärme in der Brust oder im Bauch. Rechnet es mit etwas Unangenehmen, gibt es ein eher ungutes Gefühl. Diese “somatischen Marker” können unterschiedlich stark sein.

Dein Verstand kann die Bauchgefühle besser verstehen, wenn ihre Stärke als Wert auf einer Skala von 1-10 eingeschätzt wird mit 1 – praktisch nicht vorhanden und 10 – superstark.

Diese Einschätzung wendet Susann Heilmann in der folgenden Übung zur Einschätzung deines aktuellen Wohlbefindens an.

Bitte höre dir jetzt diese Anleitung an.

Gefühlsbilanz nach Maja Storch

Gute und ungute Gefühle können gleichzeitig auftreten, wenn du dir etwas vorstellst oder erlebst. Das nennen wir dann “gemischte Gefühle”. 

Ein Beispiel: du bist gerade in einem wichtigen Gespräch. Plötzlich kommt jemand zu dir, den du sehr magst und den du schon länger nicht gesehen hast. Auf der einen Seite freust du dich über die unverhoffte Begegnung. Auf der anderen Seite passt es gerade nicht so richtig und du möchtest deinen vorherigen Gesprächspartner auch nicht warten lassen. 

Für jede Situation, die wir so betrachten wollen, brauchen wir zwei Skalen eine für angenehme Gefühle und eine für unangenehme Gefühle. 

Sieh dir jetzt deinen Vorsatz an und befrage dein Bauchgefühl: 

Orientierung zur Zielerreichung: Skala von 1 bis 10 für die Einschätzung einer Empfindung als angenehm und unangenehm
  • Auf einer Skala von 1 bis 10: wie angenehm und unangenehm ist die Vorstellung für dich, dieses Ziel umgesetzt zu haben? 
  • Hast du einen hohen Wert bei den unangenehmen Markern? Dann frage dich, woran das liegt. Was genau stört dich bei der Vorstellung?
  • Wenn du den Schätzwert für unangenehme Gefühle vom Wert für angenehme Gefühle abziehst, beträgt dein Ergebnis mindestens 7?

Gemischte Gefühle für die Zielerreichung klären

Wenn du bei der Vorstellung der Zielerreichung ein deutlich ausgeprägtes ungutes Gefühl hast, solltest du überlegen, welche Bestandteile dein Vorsatz hat. Wenn ich z.B. jeden zweiten Tag Fitnessübungen machen möchte, gibt es zwei unterschiedliche Aspekte, die mir nicht wirklich gefallen. 1. die Übungen machen mir keinen Spaß. 2. sie brauchen mindestens 30 Minuten und ich habe sowieso so viel zu tun.

Es ist hilfreich, sich diese Unlust genauer anzusehen. Denn die scheinbaren Hindernisse haben einen Sinn.

Schreibe die wichtigen, ausschlaggebenden Aspekte auf. Du kannst dafür die Arbeitsblätter benutzen. Sie unterstützen auch die weiteren Schritte zur Einbindung deiner Intuition für den Weg zu deinem Ziel.

Mit Bildern eine neue Perspektive für die Zielerreichung finden

Bilder können das Unbewusste erreichen. Worte nicht. Worte sprechen den Verstand an. Deshalb wird das Unbewusste gefragt: “Welche Figur in deiner Vorstellung hat Eigenschaften, die mir helfen, meine Zielformulierung mit Freude umzusetzen? Das Unbewusste antwortet darauf in Form eines Bildes, mit dem sich eine neue Haltung erarbeiten lässt.“

Es gibt unterschiedlich Arten von Bildern, die sich anbieten, um deinen unbewussten Motiven auf die Spur zu kommen: ein Tier, eine Pflanze, vielleicht ein Fahrzeug, oder eine Fantasiefigur.

Löwin streckt sich, um ihren Körper fit zu machen zur Zielerreichung

Im Beispiel von Maja Storch möchte ein Mann gerne Körperübungen dreimal in der Woche durchführen. Aber er hat dabei kein gutes Gefühl. Auf die Frage “welches Tier hat Eigenschaften, die dir helfen, deinen Bewegungsvorsatz mit Freude durchzuführen”, denkt er spontan an einen Löwen.

In diesem Audiofile führt dich Susann Heilmann zu deinem Bild.

Schritt 1: Denke an deinen Wunsch und deinen Vorsatz. Welches Bild verkörpert das, nachdem du dich sehnst? Schreib auf, was es ist.

Schritt 2: Jetzt überlege, welche Eigenschaften dieses Bildes oder dieser Vorstellungen dir helfen könnten, deinen Vorsatz mit Freude umzusetzen.

Wieso hat sein Unbewusstes das Bild von einem Löwen erzeugt? Die Antwort war. “ein Löwe … lebt in seinem Gebiet und hat einen elastischen Körper. Er putzt sich und pflegt sich und ist immer majestätisch.”

Für diesen Mann war die Vorstellung von einem kraftvollen, elastischen Löwen motivierend, um Körperübungen durchzuführen.

Hilfe holen für den Weg zum Ziel: der Ideenkorb

Wenn dir nichts oder eher wenig zu den Eigenschaften einfällt, nutze den Ideenkorb nach Maja Storch.

Besorge dir ein reales Bild von deinem Wunschbild, das dir gut gefällt. Wenn du keines hast oder skizzieren kannst, suche eins im Internet. Zeige dieses Bild Menschen, die du kennst und frage sie nach ihren positiven Ideen: “Was fällt euch an positiven Assoziationen zu diesem Bild ein?” Kommentiere die Antworten nicht, sammle erstmal alle Ideen ein. Das geht im Gespräch, am Telefon oder per Email.  

Wenn du genügend Ideen bekommen hast, lass dein Bauchgefühl aussuchen, welche Eigenschaftsideen am besten für dich passen. Was vermittelt dir besonders gut ein attraktives Bild für die Umsetzung deines Ziels?

Weg zum Ziel: Eine gute Lösung verliert nichts an Qualität, wenn es ein paar Tage gedauert hat, sie zu entwickeln. Maja Storch

Dein Slogan oder Motto-Ziel 

Du verbindest jetzt deine Zielformulierung mit den besten Eigenschaftsideen zu einem Slogan oder Motto-Ziel, das dein Unbewusstes verlockt.

Wichtig ist, dass das Motto-Ziel

  • in der Gegenwart formuliert ist
  • ruhig kitschig oder poetisch sein darf
  • starke aussagekräftige Bilder beinhaltet  

Beispiele: “Ich gebe meinem Körper Auslauf” oder “Ich spüre jeden Tag meine Wolfskraft, lebe meine Wolfnatur und fühle mich wohl im Rudel.” Int

Wenn du einen Satz gefunden hast, mache eine Gefühlsbilanz dafür. Wenn du die Bewertung der  unangenehmen Gefühle von der der angenehmen Gefühle abziehst, muss das Ergebnis mindestens 7 betragen. 

Ist das nicht der Fall, heißt es weitersuchen. Dein Unbewusstes ist noch nicht im Boot. 

Ein klarer erster Schritt hin zu deinem Ziel

Jetzt bauen wir auf deinem Vorsatz auf: Blicke auf deinen Vorsatz, dein Motto bzw. Slogan und darauf, wo du jetzt bist. Was wäre ein guter nächster Schritt? Was könntest du tun, um dich deiner Zielvorstellung anzunähern? Wann genau willst du das tun? 

Denke an die kommenden vier Wochen. Was konkret könnte in dieser Zeit realisierbar sein? Wie weit könntest du deinen Vorsatz umgesetzt haben?

Wenn du das gefunden hast, fasse es in 3-6 Wörtern zusammenzufassen. Halte es vor deinem inneren Auge fest.

Du kannst dafür und auch für die nächsten Schritte die Arbeitsblätter nutzen.

Was wäre das schönste Ergebnis?

Nimm dir einen Moment Zeit und male dir aus, wie es wäre, wenn dieser Schritt in den nächsten vier Wochen umgesetzt wäre. 

  1. Was ist das Schönste, das Erfreulichste dabei?
  2. Schreibe es in 3-6 Wörtern auf. Male dir aus, wie es sich anfühlt, was du dabei erlebst. (Dieser Schritt ist sehr wichtig)
  3. Schreibe deine Gedanken und Gefühle dazu auf

Was hindert dich an der Umsetzung?

  1. Welcher Gedanke, welches Gefühl, welche deiner Verhaltensweisen hindert dich daran, dir deinen Wunsch zu erfüllen? Warum genau fühlst du einen Widerstand dagegen? Was ist ausschlaggebend?
    Wenn es mehrere Hindernisse gibt: welches ist die stärkste, gewichtigste Blockade für deinen Weg zur Wunscherfüllung? Was kannst du selbst beeinflussen? 
  2. Schreibe das Hindernis in 3-6 Wörtern auf.
  3. Halte das vor deinem inneren Auge fest.
  4. Stelle dir die Details des Hindernisses vor.
  5. Schreibe deine Gefühle, Empfindungen und Gedanken dazu auf.

Wenn du merkst, dass das Hindernis zu groß ist, versuche es aufzuteilen in Bestandteile, die du handhaben kannst. Auch mit kleineren Schritten kommst du zum Ziel. 

Was könntest du tun, um dein Hindernis zu überwinden?

Suche eine Handlung oder einen Gedanken, der dir hilft, das Hindernis zu überwinden.

  • Was könntest du selbst tun, um damit weiterzukommen? 
  • Was würde passieren, wenn das Hindernis weg wäre. 
    • Könnte das auch unerwünschte Nebenwirkungen haben? 
    • Wovor schützt dich dein inneres Hindernis? 
    • Welche andere Möglichkeit gibt es, diesen Schutz sicherzustellen? 
  • Welche deiner Charakterstärken ist geeignet, das Hindernis auf eine gute Art zu überwinden?
  • Wenn dir nichts eingefallen ist, was dich überzeugt: Frage möglichst viele andere Menschen nach Ideen. Höre dir unterschiedliche Vorschläge an und warte ab, bis eine Idee dabei ist, die dir gut gefällt, inklusive Gefühlsbilanz.  

Schreibe die hilfreiche Handlung oder den Gedanken in 3-6 Wörtern auf.

Stelle nun folgenden Plan auf: Wenn … (Hindernis), dann … (hilfreiche Handlung/Gedanke)

Erinnerungshilfe zur Zielerreichung

Plausibilitätsprüfung

Gehe deinen Wenn-dann-Plan in Gedanken noch einmal langsam durch. Wird er dich zufrieden machen? Wie überzeugt bist du davon auf einer Skala von 1 bis 10 (reine Bauchgefühbewertung)? 1 bedeutet “völlig undurchführbar” und 10 “supergut”. 

Wenn deine Bewertung nicht zufriedenstellend für dich ausfällt, dann frage dich: welchen Wert müsste sie haben, damit du dich dafür entscheiden könntest? Ist es eine 9 oder reicht eine 7 oder eine 6?

Jetzt brauchst du Ideen, wodurch dieser für dich relevante Wert erreicht werden könnte. Wenn du also sagst: “wenn ich eine 7 hätte, würde ich es machen”, dann geht es darum, durch was du auf die 7 kommen könntest. Wenn dir nichts Brauchbares einfällt, frage wieder andere Menschen. Nicht unbedingt solche, die glauben, dich gut zu kennen und deshalb ihre eigenen Theorien über dein Lebensglück haben. Sondern besser Menschen, die einigen Abstand zu dir haben. 

Sammle Ideen, lasse sie auf dich wirken. Dann schau, ob etwas dabei ist, das dir nach deinem Gefühl am ehesten zu deinem Kriterium “7” verhilft. 

Wie du aus Vorsätzen Gewohnheiten machen kannst

Kleine Kinder brauchen ziemlich lange, bis sie laufen und sprechen können. Sie geben aber nicht auf. Für uns Erwachsene gilt, dass wir im Durchschnitt etwa 66 Tage brauchen, bis wir uns neues Verhalten angewöhnt haben. Das kann auch für anspruchsvolle Dinge bis zu einem Jahr dauern. Vorausgesetzt, man bleibt regelmäßig dabei. Dabei geht es nicht um Perfektionismus: wenn es mal ausnahmsweise nicht klappt mit dem neuen Verhalten, ist das nicht schlimm. Solange es eine Ausnahme bleibt.

Vielleicht gelingt es dir, deine Schritte auf dem zur Wunscherfüllung als Schritte im Tanz der Flexibilität zu sehen. Bleib einfach dran!

Wenn du aktiv werden möchtest, um Freundschaften aufzubauen oder zu pflegen ist mein Online-Kurs „Echte Freundschaften aufbauen und pflegen“ wahrscheinlich etwas für dich.

Quellen:

Phillippa Lally, Cornelia H. M. van Jaarsveld, Henry W. W. Potts, Jane Wardle: How are habits formed: Modelling habit formation in the real world, 2009, https://doi.org/10.1002/ejsp.674

Jeffrey S. Nevid Ph.D.: Is Your Brain on Automatic Pilot? Psychology Today, March 2018

Gabrielle Oettingen: Woop my life 

Gerhard Roth, Alica Ryba: Coaching, Beratung und Gehirn, 2016

Caroline Theiss, Maja Storch (2018) Bewegen Sie sich besser!

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