Einstellungen und HaltungenZufrieden leben - gemeinsam lernen

Was ist gut genug für mich?

Menschen in einer Shopping-Mall

Gehören Sie auch zu den Leuten, die von der Produktauswahl im Supermarkt überfordert sind? Noch schlimmer für mich sind die Elektromärkte. Die Auswahl zwischen 20 Toastern ist für mich einfach zu viel.  Welche besonderen Fähigkeiten können Toaster eigentlich haben? Oder elektrische Zahnbürsten? Oder Mobiltelefone?

Und was ist eigentlich “cool”? Das können ja Dinge oder Leute sein. Wie wichtig ist es für mich “cool” zu sein? Oder etwas grundlegender: wie wichtig ist für mich, im Vergleich mit anderen möglichst gut abzuschneiden?

Die einfache Antwort ist: uns mit anderen zu vergleichen ist eine typische menschliche Eigenschaft, die wir alle aus der Urzeit mitgenommen haben. Die Orientierung an den für uns relevanten Menschen liegt unseren Genen. Es geht um Statussymbole, aber auch um Attraktivität, Erfolg, Anerkennung. Dieses Verhalten hatte mit Sicherheit seinen Sinn für das Zusammenleben in der Urhorde.

Heutzutage führt sozialer Vergleich häufig dazu, dass wir uns schlechter fühlen - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen:

  1. wenn die Person, mit der wir uns vergleichen anscheinend von irgendetwas mehr hat (Geld, Schönheit, Klugheit, Wissen, Geschick, Lebensqualität ….) fühlen wir uns unterlegen, weil wir es nicht so weit gebracht haben.
  2. wenn die Person uns unterlegen ist, haben wir vielleicht ein schlechtes Gewissen, empfinden Mitleid oder sind unsicher, weil wir Neid befürchten. Oftmals sind wir nicht mehr in der Lage, mit der Person authentisch auf Augenhöhe umzugehen sondern reduzieren sie auf ihren “Mangel”.

In beiden Fällen ist unser Bewußtsein dabei, uns selbst und andere zu beurteilen.

Wie können wir besser damit umgehen, wenn jemand von etwas für uns Wichtigem mehr hat oder etwas besser kann? Emiliya Zhivotovskaya schlägt drei Ansatzpunkte vor:

  • was genau ist besonders schwierig für uns?
    Bei welchem Thema werden wir empfindlich, fühlen uns unangenehm getroffen? - Aspekt der Selbstwahrnehmung
  • was ist gerade los?
    Wer spricht da gerade in unserem Kopf? Welche Denk- und Handlungsmöglichkeiten gibt es in dieser Situation? - Aspekt der Lernmöglichkeiten
  • was genau wünschen wir uns?
    Was sind unsere persönlichen Vorstellungen von Erfolg, Wohlbefinden oder Schönheit? Woran machen wir das fest? Wie sieht es aus, wenn wir sagen: jetzt ist es gut genug? jetzt bin ich zufrieden? - Aspekt der eigenen Maßstäbe

Wir sind in einer Welt, die uns von allen Seiten mit Vorstellungen und Wertungen überflutet, wie Dinge zu sein haben. Wenn wir selbst nicht darüber im Klaren sind, was wir eigentlich wollen und was für uns genug ist, ist es sehr schwer, davon nicht mitgezogen zu werden. Schädlich in diesem Sinne ist nicht der Vergleich damit, wie andere Menschen etwas tun, wenn sie etwas besser können als wir. Etwas von anderen abzugucken und daraus zu lernen, ist hilfreich.  Der Vergleich von Ergebnissen (Einkommen, Schulabschluss, Anerkennung durch Dritte) oder Dingen ist das Gift, das unter die Haut geht. Und das gilt selbst für den Fall, dass wir selbst gerade erfolgreich sind.

Ist gibt heutzutage in sehr vielen Bereichen so viele Wahlmöglichkeiten, dass es sehr aufwendig ist, überhaupt alle Variationsmöglichkeiten kennenzulernen. Barry Schwartz unterscheidet Menschen, die aus jeder Gelegenheit das größte Ausmaß an Spaß und Vorteil herausholen wollen von Menschen, die mit ihrer getroffenen Wahl zufrieden sind, solange sie im wesentlichen akzeptabel ist. Die zweite Gruppe ist glücklicher und zufriedener.

Eine wichtige Haltung zur Stärkung der Lebensfreude ist die Orientierung am gut genug Sein: Selbst bestimmen, was wir wollen und dann damit zufrieden sein. Im Unterschied dazu macht es nachgewiesenermaßen unglücklich, wenn wir versuchen, das Beste herauszuschlagen und so perfekt wir möglich zu sein. Denn es gibt immer ein besser oder mehr. Wenn wir uns auf das Maximum konzentrieren, ist die Unzufriedenheit vorprogrammiert.

Wenn wir wissen, was uns für unsere Zufriedenheit ausreicht und uns daran orientieren, dann sind wir aus diesem Wettbewerb ausgestiegen.


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