Wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir von Stärken reden? Im Arbeitskontext ist das Verständnis von Stärken oft an Leistung gekoppelt. Dr. Clifton entwickelte mit Gallup den Clifton-Strength-Finder Test, der „individuelle Profile aller … für den Arbeitserfolg relevanten Talente“(1) entdecken helfen soll. Ist Berufserfolg das, wofür wir unsere Energie einsetzen sollten?
Christopher Peterson, Martin Seligman und ihr Team wählten einen anderen Weg. Sie suchten nach Stärken, in denen sich kulturübergreifende Wert ausdrücken.

Was ist das Beste an uns Menschen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt des von ihnen initiierten Forschungsprojekts. 55 Sozialwissenschaftler beschäftigten sich drei Jahre lang mit der genauen Beschreibung von wünschenswerten Eigenschaften, deren Entwicklung durch Erziehung gestärkt werden sollen.

Die Wissenschaftler wollten eine verantwortliche Wahl treffen. Sie wollten sicherstellen, dass die den Stärken zugrundeliegenden Werte nicht an aktuellen und kurzfristigen Vorstellungen ausgerichtet sind.(2) Anforderungen, die wir oft in Stellenanzeigen finden, wie „Durchsetzungsfähigkeit“, „Kommunikationsstärke“ oder „Selbstvertrauen“ sind Prägungen unserer Zeit und unserer Kultur und können in ein paar Jahrzehnten an Wichtigkeit verlieren.

Deshalb war der Ausgangspunkt, was Menschen in den verschiedenen Epochen über Stärken gedacht haben. Die Forscher wollten den Weisheitsschatz der Menschheit anzapfen um herauszufinden, welche Fähigkeiten und Eigenschaften in den größeren Kulturen und den großen Religionen als wünschenswert angesehen wurden. Gibt es ein gemeinsames Verständnis von dem, was einen „guten Charakter“ ausmacht, aus 3000 Jahren Menschheitsgeschichte? Literarische und philosophische Texte aus dem chinesischen, süd-asiatischen und westlichen Kulturraum wurden ausgewertet (3).

Sie fanden sechs Universaltugenden, die kulturübergreifend für wertvoll gehalten werden. 

Was sind Charakterstärken?

Es gibt für dieser sechs Tugenden verschiedene Wege, um sie in seinem Alltag zu leben. „Zum Beispiel kann jemand die Tugend der Gerechtigkeit durch Verhalten als guter Bürger, durch Fairness, durch Loyalität und Teamwork oder durch humane Menschenführung unter Beweis stellen. Diese Zugänge nannten die Forscher Charakterstärken, und im Unterschied zu den abstrakten Tugenden kann jede Stärke gemessen und ausgebaut werden. (4)“

Alle Stärken sind, im Unterschied zum Alltagsverständnis, weder angeboren (Talent) noch unveränderlich. Sie  entstehen und verfestigen sich im Laufe des Lebens.

Jeder Mensch hat eine spezielle Kombination von Stärken, die bei ihm besonders ausgeprägt sind. Sie heißen „Signaturstärken„, weil sie wie eine Unterschrift charakteristisch für eine bestimmte Person sind. Wenn du herausfinden willst, ob eine bestimmte Stärke eine deiner Signaturstärken ist, frage dich: „Ist diese Stärke grundlegend dafür, wer ich bin?“ Es geht also um Identität. Deine Persönlichkeit zeigt sich auch in der besonderen Zusammenstellung deiner Stärken.

Charakterstärken sind stabile und universelle Persönlichkeitseigenschaften, die sich im Denken, Fühlen, Wollen und Handeln ausdrücken. (2) Im Unterschied zum Alltagsverständnis sind sie weder angeboren (Talent) noch unveränderlich. Mit anderen Worten: Charakterstärken entstehen und verfestigen sich im Laufe des Lebens. Sie können bewusst ausgebaut werden, wenn man möchte.

Sie unterscheiden sich auch von den Stärken, die man aus beruflichen Beurteilungsverfahren kennt. Denn sie wurden anhand zeit- und kulturübergreifender Untersuchungen entwickelt.

Die Forscher haben nicht alles, hochgeschätzt wurde oder wird, in ihre Auswahl übernommen. Sie wählten nur solche positiv bewerteten Eigenschaften aus, die:

  • in den meisten Kulturen sehr positiv bewertet wurden
  • um ihrer selbst willen wertgeschätzt wurden und nicht wegen eines Ergebnisses
  • keine Abwertung anderer Menschen beinhalten
  • zu denen es ein Gegenteil gibt. Beispiel: Neugier – Desinteresse
  • über längere Zeit hinweg stabil sind und anhand klarer Kriterien beobachtet werden können
  • bei manchen Menschen besonders ausgeprägt sind und anderen gar nicht
Übergeordnete Kategorien von Stärken

Aus den Schriften der verschiedenen Epochen ließen sich sechs Tugenden ableiten: 

Steht für die Stärken der Weisheit: die Eule

Weisheit

Mut: Junge schaut durch ein Fernrohr aus dem Fenster

Mut

Menschlichkeit: Frau und Mädchen strecken die Zunge heraus

Menschlich-
keit

Frau erhält Unterstützung durch Menschen, die die Hände auf ihre Schultern legen.

Gerechtig-
keit

Mäßigung

Eine junge Frau bläst in eine Pusteblume und die Samenschirmchen fliegen in die Welt

Transzendenz

Die Forscher wollten die Grundlage dafür legen, damit Menschen dabei unterstützt werden, ihre Stärken bewusst auszubauen. Deshalb müssen die einzelnen Charakterstärken so gut beschrieben sein, dass sie direkt beobachtbar sind und alle darunter das Gleiche verstehen.

Woran du die Stärken erkennen kannst

Steht für die Stärken der Weisheit: die Eule

Weisheit und Wissen

Was es ist

Erwerb und Gebrauch von Wissen ist das Gemeinsame dieser Stärken. Sie beziehen sich nicht auf einen hohen IQ,  sondern auf erworbenes und zum Guten angewendetes Wissen.

Kreativität

Kreativität heißt, neue und effektive Wege finden um etwas Sinnvolles zu entwickeln

Kreative Menschen produzieren ständig eine Vielzahl von verschiedenen neue Ideen oder sie zeigen originelle Verhaltensweisen.

Daraus entsteht etwas, das hilfreich für die schöpferische Person ist und ihre Zwecke ist.

 

Neugier

Neugier ist die Freude an neuen Erfahrungen

Neugierige Menschen haben ein ausgeprägtes Interesse an Neuem, ohne sich selbst oder anderen Leuten dabei in die Quere kommen zu wollen.

Sie sind sehr offen und flexibel bezüglich neuen, oft auch unerwarteten Situationen. Sie finden es erfüllend, sich auf die Suche nach einer Antwort, einer neuen Erfahrung oder einer neuen Tatsache zu machen. Dazu kommt ein starkes Verlangen, ihr eigenes persönliches Wissen zu erweitern.

Neugier bringt Menschen dazu, aktiv nach Abwechslungen und Herausforderungen in ihrem täglichen Leben zu suchen. Sie können neugierig in Bezug auf einen spezifischen Bereich sein (z.B. Interesse an speziellen Rosen) oder ein globales Interesse an unterschiedlichen Dingen aufweisen.

 

Freundlichkei beruht auf Neugier

 

Urteilsvermögen

Urteilsvermögen heißt Dinge durchdenken und von allen Seiten zu betrachten

Menschen mit einem stark ausgeprägten Urteilsvermögen haben die Fähigkeit, Probleme und Gegebenheiten des Alltags aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und auf diese Weise Argumente für wichtige Entscheidungen zu entwickeln. Sie sind in der Lage, Informationen objektiv und kritisch abzuwägen wobei sie sich an der Realität orientieren.

Dabei geht es auch darum, das eigene Denken kritisch zu untersuchen. Urteilsvermögen setzt die Bereitschaft voraus, aktiv nach Argumenten gegen eigene Überzeugungen, Vorhaben oder Ziele zu suchen und alle verfügbaren einzubeziehen.

 

Liebe zum Lernen

Liebe zum Lernen ist der Wille, eigenes Wissen weiterzuentwickeln

Wissbegierige Menschen zeichnen sich durch eine große Begeisterung für das Lernen neuer Fertigkeiten und Wissensinhalten aus. Sie lieben es, neue Dinge zu lernen und sind bemüht, ihr Wissen und Können zu vertiefen.

Neugier und Liebe zum Lernen liegen nahe beieinander. Beim Lernenwollen geht es aber um den Wunsch, dranzubleiben und das Wissen besser auszuloten. Die neugierige Person ist durch das Streben nach Wissen motiviert; die Person, die das Lernen liebt, ist durch die Erweiterung ihres Wissensbestands motiviert.

Neugier ist oft mit viel Energie und dem Drang, Informationen zu sammeln, verbunden. Ihr entspricht die Angst, etwas zu verpassen.

Die Liebe zum Lernens führt eher zur Betrachtung, ist kontemplativ. Sie entspricht der Schau, dem „auf sich wirken lassen“.

Sie hat wichtige motivierende Konsequenzen, weil sie Menschen hilft, Herausforderungen, Rückschläge und negatives Feedback durchzustehen.

 

Mut: Junge schaut durch ein Fernrohr aus dem Fenster

Mut

Was es ist

Durch Willensleistung innere und äußere Hindernisse zur Zielerreichung überwinden.

Ehrlichkeit

Ehrlichkeit heißt, die Wahrheit zu sagen und aufrichtig zu sein

Authentische Menschen sind sich selbst und ihren Mitmenschen gegenüber aufrichtig und ehrlich. Sie halten ihre Versprechen und bleiben ihren Prinzipien treu. Ehrliche Menschen sind integer. Sie sind die Person, für die sie sich ausgeben.  befähigt Menschen für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen. Authentische Menschen handeln in Übereinstimmung mit den eigenen Gedanken, Gefühlen und Überzeugungen und übernehmen Verantwortung für die Ergebnisse ihres Verhaltens.

 

Tapferkeit

Tapferkeit heißt, sich seinen Herausforderungen, Ängsten oder Schmerz zu stellen

Tapfere Menschen streben nach ihren Zielen und lassen sich dabei nicht von Schwierigkeiten und Hindernissen entmutigen. Das kann sich in unterschiedlichen Lebensbereichen zeigen.

Tapferkeit ist die Fähigkeit, etwas Positives und Nützliches trotz drohenden Gefahren voranzubringen. Sie ermöglicht einem Menschen

  • unbeliebte aber richtige Meinungen zu vertreten,
  • das Risiko einer Verletzung einzugehen
  • sich einem Problem zu stellen,
  • seinen Ängsten ins Gesicht zu schauen
  • und sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.

 

 

Ausdauer

Ausdauer heißt, trotz Schwierigkeiten an Zielen festzuhalten

Ausdauer kennzeichnet Menschen, die das zu Ende bringen wollen, was sie sich vorgenommen haben, auch wenn sich Hindernisse, Entmutigungen oder Enttäuschungen in den Weg stellen.

Ausdauernde Menschen sind beharrlich – sie verfolgen aber nicht zwanghaft unerreichbare Ziele. Beharrliche Menschen passen sich flexibel und realistisch den jeweiligen Situationsbedingungen an, ohne perfektionistisch zu werden.

 

 

Begeisterung

Begeisterung heißt, der Welt mit Lebensfreude und Energie zu begegnen

Menschen mit einem ausgeprägten Entusiasmus freuen sich auf jeden neuen Tag. Sie gehen ihr Aktivitäten nicht halbherzig an, sondern leben ihr Leben wie ein Abenteuer.

Begeisterung ist eng verbunden mit physischem und psychischem Wohlbefinden. Diese Stärke ist am meisten  mit allgemeiner Lebenszufriedenheit und einem engagierten Leben verbunden.

Menschlichkeit: Frau und Mädchen strecken die Zunge heraus

Menschlichkeit

Was es ist

Hier geht es um Stärken, die fürsorgliche Beziehungen zu anderen ermöglichen. Menschlichkeit in diesem Verständnis ist in direkten persönlichen Begegnungen zum Tragen. 

Freundlichkeit

Freundlichkeit heißt, hilfsbereit und mitfühlend zu sein

Freundliche Menschen sind sehr nett, grosszügig und hilfsbereit, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie tun gerne etwas für andere, auch wenn sie diese nicht gut kennen.

Freundliches Verhalten kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise gezeigt werden: im Bus den eigenen Platz freigeben, jemandem zuhören, dem es schlecht geht oder einfach nur bei ihm zu sein.

Der Kern dieser Stärke ist die Wertschätzung, die man anderen Menschen zukommen lässt. Freundliche Menschen glauben, dass andere um ihrer selbst willen als Menschen Aufmerksamkeit und Bestätigung verdienen.

Soziale Intelligenz

Soziale Intelligenz ist die Fähigkeit, Gefühle und Gedanken wahrnehmen und verstehen zu können

Menschen unterscheiden sich in der Fähigkeit, wichtige soziale Informationen, wie z.B. Gefühle, wahrzunehmen und zu verarbeiten. Sozial kompetente Menschen kennen ihre eigenen Motive und Gefühle. Sie kennen auch ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten und sind in der Lage, sie zu fördern. Sie erkennen Unterschiede zwischen Menschen anhand deren Stimmungen, Motivationen und Absichten. Dadurch können sie sich der jeweiligen sozialen Situation anpassen.

Liebe

Liebe ist die Fähigkeit, enge, liebevolle Beziehungen eingehen zu können

Liebende Menschen können anderen Menschen ihre Liebe zeigen und Liebe von anderen annehmen.

Liebe als Charakterstärke und nicht als Gefühl beschreibt das Ausmaß, in dem du enge Beziehungen schätzt. Und auf herzliche und echte Weise zu dieser Nähe beiträgst.

Mit Liebe als Charakterstärke ist die Fähigkeit gemeint, enge Beziehungen und Freundschaften mit Mitmenschen aufzubauen, die von Zuneigung und Gegenseitigkeit gekennzeichnet sind. Und sie dann auch zu halten.

Freundlichkeit betrifft jede Beziehung. Liebe beschreibt, wie du dich in deinen engsten und wärmsten Beziehungen verhältst. Diese Beziehungen sind durch gegenseitige Hilfeleistung, Akzeptanz und Verpflichtung geprägt.

 

Frau erhält Unterstützung durch Menschen, die die Hände auf ihre Schultern legen.

Gerechtigkeit

Was es ist

Gerechtigkeit beschreibt Stärken, die helfen in gemeinschaftlichen Situationen zwischenmenschliche Verbindungen herzustellen.

Fairness

Fairness bedeutet, alle Menschen nach dem Prinzip der Gleichheit und Gerechtigkeit behandeln

Faire Menschen besitzen einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Gleichheit. Jede Person wird von ihnen gleich und fair behandelt, ungeachtet dessen, wer und was sie ist. Sie lassen sich in Entscheidungen nicht durch persönliche Gefühle beeinflussen und versuchen allen eine Chance zu geben.

Fairness ist eine Verstandeskraft, zu der Argumentation und Urteilsbildung gehören. Sie wägt ab, welche moralische Rechte und Pflichten gerade wichtig sind.
Und sie urteilt aufgrund von sorgfältigem Nachdenken, das von Empathie und Mitgefühl geprägt ist.

Wichtige Merkmale dieser Stärke sind

  • die Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen
  • die Bereitschaft zu Kompromissen
  • und das Zugebenkönnen von eigenen Fehlern.

Teamfähigkeit

Teamfähigkeit heißt, hilfsbereites Gruppenmitglied zu sein, das sich für die Teamziele verantwortlich fühlt. 

Teamfähige Menschen tragen engagiert zum Erfolg der ganzen Gruppe bei. Die Gruppe kann ein Arbeitsteam sein, ein Sportteam oder sich auf die Familie oder ein Freizeitprojekt beziehen.

Solche Menschen können am besten arbeiten, wenn sie Teil einer Gruppe sind. Sie fühlen sich dem Wohl der Gruppe als Ganzes verpflichtet.

Getroffene Entscheidungen der Gruppe werden respektiert loyal getragen. 

 

Führungsvermögen

Führungsvermögen heißt, Gruppenaktivitäten zu organisieren und zu anzustoßen

Menschen mit einem ausgeprägten Führungsvermögen ermutigen Gruppen zu guter Zusammenarbeit.

Führung bedeutet auch, Ziele zu setzen und die Umsetzung zu unterstützen. Zur Führungsfähigkeit gehört auch, Hilfe von  Menschen außerhalb der Gruppe zu gewinnen oder Koalitionen mit anderen Teams zu bilden.

Gute Führungskräfte vermitteln eine positive Vision, die die Teammitglieder inspiriert. Sie fühlen sich dadurch gestärkt und den gemeinsamen Zielen verpflichtet.  Sie unterstützen die gemeinsame Arbeit und das Zugehörigkeitsgefühl in der Gruppe.

 

Frau erhält Unterstützung durch Menschen, die die Hände auf ihre Schultern legen.

Mässigung

Was es ist

Stärken, die Übertreibungen und Exzessen entgegenwirken. Es geht um Balance.

Ausführlicher in diesem Podcast-Beitrag: Das rechte Maß – Balance und Beschränkung

 

Selbstkontrolle

Selbstkontrolle heißt seine Gefühle und sein Verhalten bewusst zu steuern

Menschen mit ausgeprägter Selbstkontrolle sind davon überzeugt, dass sie erfolgreich sein können. Sie ziehen längerfristigen Erfolg kurzfristigem Genuss vor. Selbstkontrolle kann aber auch bei Überbeanspruchung nachlassen.

Durch bewusste Selbststeuerung wird ein Gefühl des Gleichgewichts, der Ordnung und des Fortschritts gestärkt.

Bescheidenheit

Bescheidene Menschen sehen ihre Fähigkeiten ohne dafür Bewunderung zu wollen

Bescheidene Menschen denken gut über sich selbst und sind sich ihrer Fehler und Unvollkommenheiten bewusst. Sie sind zufrieden, ohne im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen oder für ihre Leistungen gelobt zu werden.

Bescheidene Menschen können eigene Fehler und Mängel zugeben. Sie haben eine demütige Haltung im Sinne, dass sie sich nicht als Zentrum des Universums betrachten.

Vorsicht

Vorsichtig sein heißt, unnötige Risiken zu vermeiden und zukunftorientiert zu handeln

Vorsichtige Menschen denken sorgfältig nach, bevor sie Entscheidungen treffen. Sie denken über mögliche Konsequenzen nach. Deshalb tun sie nichts, was sie später bereuen könnten.

Mitmenschen bezeichnen sie oft als vorsichtig im positiven Sinne. Vorsichtige Menschen sind klug. Sie planen längerfristige Ziele sorgfältig. Dabei wägen sie Kosten und Nutzen ab.

Vergebungsbereitschaft

Vergebungsbereitschaft heißt, Verständnis für Menschen zu haben, die uns verletzt haben

Menschen mit dieser Stärke sind eher in der Lage Vergangenes ruhen zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Sie können bis zu einem gewissen Punkt Verständnis aufbringen für schlechte Behandlung durch andere Menschen und geben ihnen eine Chance zur Wiedergutmachung.

Vergebung bedeutet nicht etwas zu entschuldigen oder zu vergessen. Aber es lässt Vergangenes vergangen sein, anstatt Rache üben zu wollen.

 

Eine junge Frau bläst in eine Pusteblume und die Samenschirmchen fliegen in die Welt

Transzendenz

Was es ist

Transzendenz beschreibt Stärken, die dir helfen, dich mit einem größeren Universum zu verbinden und dem Sinn zu geben. Es geht um das, was jenseits des menschlichen Verstandes liegt, was dem Dasein Bedeutung verleiht.

Spiritualität

Spiritualität ist die Überzeugung vom höheren Sinn meines Lebens

Spirituelle Menschen sehen Sinn, Berufung oder Bedeutung im täglichen Leben. Diese Überzeugungen beeinflussen ihr Denken, Handeln und Fühlen. In schwierigen Zeiten können sie eine Quelle des Trostes sein.

Spiritualität wird immer wieder als die Suche nach oder die Verbindung mit „dem Heiligen“ verstanden. Damit ist etwas Größeres, Ehrfurchtsgebietendes gemeint.

Es kann im Lächeln eines Kindes, dem Gefühle von Verbundenheit im Gespäch, einem wunderschönen  Sonnenuntergang, einer tiefgreifenden Erfahrung während einer Meditation oder eines Gottesdienstes oder der aufopfernden Freundlichkeit eines Fremden erfahren werden.

Als Charakterstärke beinhaltet Spiritualität den Glauben, dass es eine Dimension des Lebens gibt, die jenseits des menschlichen Verständnisses liegt.

Sinn für das Schöne

Schönheit in der Mitwelt erkennen, erleben und schätzen

Wenn Menschen in verschiedenen alltäglichen Lebensbereichen Schönes und Beeindruckendes bewusst wahrnehmen, wertschätzen und sich darüber freuen können, haben sie diese Stärke.

Sie nehmen im Alltag schöne Dinge wahr, die von anderen übersehen oder nicht beachtet werden. Beim Anblick der Schönheit der Natur oder von Kunst empfinden sie tiefe Gefühle der Ehrfurcht und der Verwunderung und sind oft sprachlos.

Die Bewunderung kann ausgelöst werden durch:

  • physische Schönheit
  • Können oder Begabung
  • Ethisches Verhalten, auch in inneren und äußeren Konflikten

Dankbarkeit

Dankbarkeit heißt, sich der guten Dinge bewusst sein und sie zu schätzen wissen

Dankbare Menschen nehmen die guten Dinge in ihrem Leben nicht als selbstverständlich hin. Sie nehmen sich die Zeit, ihre Dankbarkeit Menschen gegenüber auszudrücken. Sie wissen, dass sie im Leben mit Vielem gesegnet sind. Die Dankbarkeit kann sich sowohl auf Menschen beziehen als auch auf nichtmenschliche Quellen (z.B. Tiere, Natur, Gott).

Dankbarkeit ist die emotionale Antwort auf ein „Geschenk“. Die dankbare Person ist sich bewusst, dass der Anstoß zu dem, worüber man sich freut, außerhalb der eigenen Person liegt.

Humor

Humor ist die Fähigkeit, spielerisch mit dem Leben umzugehen, mit einem Blick für das Witzige

Humorvolle Menschen erkennen, was gerade amüsant ist. Dazu gehört ein gelassener, fröhlicher Blick auf Widrigkeiten. Sie bringen eine leichtere Sichtweise der Dinge anderen nahe. Sie lachen gerne und bringen andere Menschen gerne zum Lächeln oder zum Lachen.

Humor ist ein soziales Schmiermittel für Gruppen. Er hilft, mit Stress besser umzugehen und Dinge leichter zu nehmen.

Hoffnung

Hoffnung ist die optimistische und realistische Erwartung an Entwicklungen

Hoffnung als Stärke ist  getragen von Motivation und Zuversicht, dass Ziele erreicht werden können. Optimistische Menschen sehen viele Möglichkeiten, um in die gewünschte Zukunft zu gelangen.

Hoffnungsvolle Menschen haben ein klares Bild, was sie sich für die Zukunft wünschen und wie sie sich die Zukunft vorstellen. Wenn mal etwas nicht klappt, versuchen hoffnungsvolle Menschen trotz Herausforderungen oder Rückschlägen optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Die Grundlage dafür ist eine Haltung, die Negatives als vorübergehend ansieht.

Wenn uns Freude macht, was wir tun, werden wir es möglichst wiederholen. Und indem wir oft tun, was wir gern tun, werden wir besser darin. Und – wir werden glücklicher, gesünder und haben bessere Beziehungen in unserer Mitwelt (1).

Wie du deine Stärken erkennen und ausbauen kannst, erfährst du hier:

Quellen

    1. Marcus Buckingham, Donald O.Clifton: Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt, Frankfurt, 2007, S. 11
    2. Martin E.P. Seligman: Der Glücks-Faktor, Bergisch-Gladbach 2003,S. 207ff
    3. Martin E.P. Seligman: a.a.O.,S. 218f (4) Martin E.P. Seligman: a.a.O., S. 226 (5) Martin E.P. Seligman a.a.O., S. 224
    4. Shannon Polly, Kathryn Britton (Hrsg.): Character Strengths Matter, 2015, Introduction
    5. https://www.viacharacter.org/character-strengths/
    6. Niemiec, R. M. (2013). VIA character strengths: Research and practice (The first 10 years). In H. H. Knoop & A. Delle Fave (Eds.), Well-being and cultures: Perspectives on positive psychology (pp. 11-30). New York: Springer.

Forschungsergebnisse auf der VIA-Internetseite

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