Etwas in mir will nicht. Achtsam leben – ist das wirklich das Optimum, nach dem wir alle streben sollten? Ist das wirklich wichtig für mein Leben? In mit sitzt ein tiefer Zweifel. Meditation ist deshalb nicht dauerhaft Teil meines Alltags geworden, trotz der vielen nachgewiesenen positiven Wirkungen.

Denn ich will meinen Gedanken nachhängen – ohne Beobachterrolle. Unter der Dusche oder beim Spazierengehen habe ich viele Ideen. Kreativität entsteht so, eher nebenbei. Ich möchte mein Leben nach dem ausrichten, was mir wichtig ist!

Nur – wenn ich ehrlich zu mir bin, möchte ich in jeden Tag mehr hineinstopfen, als hineingeht. Die entsprechende Frustration habe ich jahrzehntelang immer wieder durchlebt. Auf’s Tempo zu drücken hilft überhaupt nicht. Wir reiben uns auf durch eine Vielzahl von Ansprüchen, eigenen und von anderen Menschen. Wie können wir erkennen, was wir wirklich wollen? Der Ausweg ist die Klärung, was ein gutes Leben ist, was wirklich wichtig im Leben ist.

Ich zeige dir, wie das geht.

Hol dir was zum Schreiben und mach es dir gemütlich. Vervollständige die Sätze:

  • Ich habe zu viel Zeit damit verbracht, mir Sorgen zu machen über …
  • Ich habe zu wenig Zeit damit verbracht, Dinge zu tun wie …
  • Wenn ich in der Zeit zurückgehen könnte, würde ich von heute an folgendes anders machen …
Was wichtig ist im Leben: eine neue Perspektive finden

Es geht dabei um deine persönliche Sicht, nicht um irgend ein “Sollen”. Du erkennst deine Sehnsucht, das, was dich lebendig werden lässt. Handlungsmöglichkeiten werden sichtbar. Bei mir ist es, mich mehr um Freundschaften zu kümmern und dankbar zu sein für das, was ich habe. Was ist für dich wichtig?

 Viele Menschen hatten in ihrem Leben einen ganzen Sack voller guter Vorsätze. Meistens ist das sehr kurzlebig. Ab und zu pocht schmerzlich die Erinnerung an das an, was wir uns vorgenommen hatten. Vielleicht starten wir noch einen Versuch, bevor wir ins Gewohnte zurückfallen.

 Oft unterschätzen wir die Zeit zur Verankerung neuer Gewohnheiten

Schwierige Umstände können auftauchen. Die machen alles noch komplizierter. Und dann denken wir: das geht nicht. Ich kann das nicht. Kleine Kinder sind da zum Glück anders. Sie brauchen ziemlich lange, bis sie laufen und sprechen können. Sie geben aber nicht auf.

Für uns Erwachsene gilt, dass wir im Durchschnitt etwa 66 Tage brauchen, bis wir uns neues Verhalten angewöhnt haben. Das kann auch für anspruchsvolle Dinge bis zu einem Jahr dauern . Vorausgesetzt, man bleibt regelmäßig dabei. Dabei geht es nicht um Perfektionismus: wenn es mal ausnahmsweise nicht klappt mit dem neuen Verhalten, ist das nicht schlimm. Solange es eine Ausnahme bleibt.

Oft überfordern wir uns auch, weil wir uns zu viel auf einmal vornehmen. Tatsächlich macht es viel Sinn, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Für mich ist das eine Herausforderung. Geht es Ihnen auch so? Hier gibt es Ideen, wie Sie herausfinden, was für Sie jetzt das Wichtigste ist und wo es für Sie Sinn macht, anzufangen.

Lass ein Bild entstehen von dem, was dir im Leben wichtig ist

Nach dem Blick zurück geht es jetzt um den Blick nach vorn, um Klarheit über das, was Ihnen in der Zukunft wichtig ist. Sie beschreiben das Bild des Ihres bestmöglichen Seins in der Welt. Das ist nachgewiesenermaßen auch eine Methode, um dein Wohlbefinden zu steigern. Hier findest du die Anleitung.

Welche Lebensbereiche sind wichtig für dich?

Jetzt ist es Zeit für eine detailliertere Betrachtung deiner verschiedenen Lebensbereiche. Sie sind für dich mehr oder weniger relevant. Das ist unterschiedlich bei unterschiedlichen Menschen. 

Welche Bereiche spielen für dich eine wesentliche Rolle? Bewerte die Bedeutung jedes Bereichs für dich auf einer Skala von 1-10. Schreibe es auf.

Du kannst dazu diesen Fragebogen zum wertorientierten Leben nutzen.

Sind viele der Bereiche unwichtig für dich? Dann überlege einen Moment, ob das so stimmt. Denn wenn viele Lebensbereiche keine Bedeutung für dich haben, ist das ein Hinweis auf Stress. Stress engt das Blickfeld ein, schaltet das Bewusstsein auf den Überlebensmodus und blendet alles aus, was nicht direkt notwendig erscheint.

 

Selbstverständlich ist z.B. Kindererziehung für Menschen ohne Kinder oft kein Thema. Nicht jeder findet Engagement für die Umwelt wichtig. Aber wenn du nur wenige für dich wichtige Bereiche gefunden hast, frage dich: war ich wirklich ehrlich zu mir? Korrigiere deine Einschätzungen so, dass sie deine realen Bedürfnisse abbilden.

Wenn du aktiv werden möchtest, um Freundschaften aufzubauen oder zu pflegen ist mein Online-Kurs “Freundschaften aufbauen und pflegen” wahrscheinlich etwas für dich.

 

Die Kluft zwischen Wunsch und Tun

Jetzt ist es aufschlussreich zu schauen, wie gut dein Verhalten zur Wichtigkeit der Lebensbereiche passt. Überlege dir, wie es in der vergangenen Woche war. Inwieweit entspricht das, was du letzte Woche getan hast, deiner Bewertung der unterschiedlichen Lebensbereiche?

Vergebe im eben verwendeten Fragebogen eine Punktzahl auf einer Skala von 1-10:
1 Was du in dieser Woche getan haben, passt überhaupt nicht zur Wichtigkeit des Bereichs für dich
10 deine Aktivitäten haben sehr gut dazu gepasst.

Auswertung

Welche Lebensbereiche haben für dich eine sehr hohe Bedeutung und du hast sie mit 9 oder 10 Punkten bewertet?
Welchem der Lebensbereiche mit hoher Bedeutung hast du Sie eine 6 oder weniger für die Übereinstimmung mit deinen Aktivitäten gegeben? Da läuft aus deiner Sicht etwas schief.

 

Wenn du mit deinem Ergebnis nicht zufrieden bist: gib dir Anerkennung dafür, dass du das angehen willst. Selbstmitgefühl ist hier wirklich angebracht.

 

Vom Sinn der Hindernisse

Für mein Leben ist Spiritualität wichtig und und ich lebe sie kaum. Vordergründig hindert mich der Gedanke: ich schaffe sonst meine Arbeit nicht. Ich stelle mir vor, ich würde mehr Zeit für die Beziehung zum Heiligen freimachen. Ein Gefühl entsteht: Scham. Ich wende mich dem Gefühl zu, akzeptiere es. Eine Erinnerung kommt hoch: meine Mutter empfand Religion als Schwäche von Leuten, die den Realitäten nicht ins Auge sehen wollen.

 

1. Schritt Nimm dir wieder Zeit und etwas zum Schreiben. Frage dich, was du zu wenig in deinem Leben tust, obwohl es für dich wichtig ist. Welche Hindernisse gibt es dafür, dem mehr Platz in Ihrem Leben zu geben? Welche Gefühle, Gedanken oder Erinnerungen steigen in dir auf, wenn du daran denkst?

Warum du nicht das tust, was dir wichtig ist

Was will mein Geist sicherstellen durch diese Hindernisse? Ich kümmere mich um die Erledigung meiner sinnvollen Aufgaben. Dafür sorgt der Gedanke meine Arbeit nicht zuschaffen, wenn ich mir Zeit für die Verbindung mit dem Heiligen nehme.

 

Bei Scham geht es um das Ziel, ein wertvoller, akzeptierter Menschzu sein. Die Erinnerung an die Haltung meiner Mutter erklärt mein Schamgefühl.
mehr Info
„Scham ist das äußerst schmerzhaft Gefühl bzw. die äußerst schmerzhafte Erfahrung zu glauben, dass wir fehlerhaft sind und deshalb keine Liebe und Zugehörigkeit verdienen.“ Brené Brown

 

2. Schritt Die Hindernisse sorgen für die Realisierung eines anderen Werts. Schreibe jetzt auf, welche positiven Wirkungen die Hindernisse haben. Wofür stehen sie? Wenn du das verstehst, erscheint ihr Sinn.

 

Auch das Verborgene ist wichtig

3. Schritt Formuliere aus jedem Hindernis eine Aussage in der Form:

 

Wenn ich in  dieser Situation    fühle, denke, mich erinnere, spüre , möchte ich mich daran erinnern, dass mir  Wert  wichtig ist.

 

Diese Übung beseitigt nicht die Hindernisse. Sie hilft, sich als ganze Person zu erleben.

 

Beispiel:

Wenn ich  morgens    denke , dass ich direkt mit der Arbeit anfangen muss, um meine Arbeit zu schaffen, möchte ich mich daran erinnern, dass mir  zuverlässiges sinnvolles Tun  wichtig ist.

 

Wenn ich  morgens    Scham fühle  beim Gedanken an eine Zwiesprache mit dem Heiligen, möchte ich mich daran erinnern, dass es mir wichtig ist,  ein anerkannter Mensch zu sein .

 

Stärken was dir wichtig ist

Die größten Erfolgschancen haben Veränderungen, die dir wirklich am Herzen liegen. Manchmal ist es einem selbst nicht ganz klar, ob es wirklich um diesen Wunsch geht oder ob er ein Mittel für etwas anderes ist. Vielleicht geht es eigentlich um Anerkennung? Oder Selbstwertgefühl? Oder um Verbundenheit mit anderen Menschen? Deine Energie solltest du auf das konzentrieren, was du wirklich willst. Sonst machst du Umwege.

 

Wie du die Quellen deiner Wünsche findest

Vielleicht kennst du die 5-Why-Methode. Dort geht es darum, die Ursache für einen Fehler zu finden. Diese Art des Fragens deckt auf, was dir wirklich wichtig ist, was tatsächlich die Quellen deiner Wünsche sind und damit die Quellen deines Lebensglücks. Das ist es, was dich durch den Veränderungsprozess tragen kann.

 

Lass ein Bild entstehen, in dem deine Wünsche sichtbar und fühlbar werden

Wo wünschst du dir Veränderung? Schreibe 10 Minuten lang über diesen Lebensbereich. Stelle dir folgende Fragen:

 

  • Was liegt mir in diesem Bereich am Herzen?
  • Was könnte ich in diesem Bereich tun, das dem entspricht?
  • Wann war diese Wichtigkeit in meinem Leben im Vordergrund?
  • Was könnte ich tun, um diesem Lebensbereich mehr Raum in meinem Leben zu geben?

Lebenssinn ist ein wichtiger Bestandteil des glücklichen, erfüllten Lebens. Wie geht es bei dir jetzt weiter? Wie konkret willst du Sie mehr von dem in dein Leben bringen, was dir wirklich wichtig ist?

Es geht nur um dich und wie du handeln willst, nicht um Wünsche an andere. Dieses “wie” kann viele Farben haben.

Hier habe ich deinen nächsten Schritt beschrieben: um das, was dir wichtig ist, ins Leben zu bringen, sind Ziele wichtig.  Große und kleine Ziele haben dabei ihre Berechtigung. Aber ein paar Dinge sind gut zu wissen, wenn du deine Wünsche tatsächlich ins Leben bringen willst. 

Und hier geht es darum, wie du auf der Grundlage deiner Gefühle und deiner Intuition Ziele für dich beschreibst und tatsächlich umsetzt.

das gute Leben kommt von dem, was uns wichtig ist. Zitat Rollo May

Quellen

Phillippa Lally, Cornelia H. M. van Jaarsveld, Henry W. W. Potts, Jane Wardle: How are habits formed: Modelling habit formation in the real world, 2009, https://doi.org/10.1002/ejsp.674

es gibt unterschiedliche Aufteilungen von Lebensbereichen. Ich habe hier die Aufteilung von Steven Hayes gewählt.

Russ Harris: Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei, München 2009, S.190

Steven Hayes: A Liberated Mind, New York 2019, S.224ff

Brené Brown: Verletzlichkeit macht stark, Kailash Verlag, 2013

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